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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Geschichte: Als Politik auf der Schiene in Mode war

30.11.2019

Neuenmarkt Als Konrad Adenauer im Februar 1958 Urlaub an der französischen Riviera machte, gab es offensichtlich einen eklatanten Mangel: In seinem Feriendomizil fehlten Kopfkissen, die dem CDU-Mann ausreichend geruhsamen Schlaf ermöglichten. Kurzerhand borgte er sich zwei Stück aus dem Eisenbahnwagen 10 205 des Kanzler-Sonderzuges. So ist es im „Mängelbuch“ notiert, wie aus Angaben der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hervorgeht.

Bahn fahren war für Politiker damals en vogue. Adenauer reiste auf Wahlkampftour mit dem Zug quer durch die Republik: 9930 Kilometer kamen vom 4. Juli bis 16. September 1961 zusammen. Auf diplomatischem Parkett hatte der Salonwagen 10 205 seinen wohl größten Auftritt, wie das Haus der Geschichte formuliert, als er im September 1955 nach Moskau fuhr: „In Ermangelung einer diplomatischen Vertretung nutzten Adenauer und die deutsche Delegation den Salonwagen in Moskau als Refugium für ungestörte Gespräche.“ Er diente also als „Botschaft“ und galt als abhörsicher, wie ein Sprecher erklärt. Im Sonderzug fuhr auch Adenauers erster Dienstmercedes mit, der Adenauer 300.

Nach Willy Brandt war die Zeit des Bahnreisens mit Sonderzügen und Salonwagen weitgehend vorbei, so der Sprecher. Helmut Schmidt bekam noch einen neuen Salonwagen. „Dann waren Flugzeug, Hubschrauber und Auto erste Wahl.“ Jahrzehntelang stand die Bahn für die deutsche Politprominenz auf dem Abstellgleis. Noch heute gelten Zugreisen für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus logistischen Gründen als schwierig.

Anders sieht es international aus: Unvergessen sind die Fotos des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, der Anfang des Jahres mit dem Zug zu seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump nach Hanoi fuhr und bei der Inspektion einer Ehrengarde am Bahnhof von Pjöngjang winkte.

Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Oktober reiste das norwegische Kronprinzenpaar, Thronfolger Haakon und Frau Mette-Marit, mit einem Literaturzug – einem speziellen ICE – an. König Philippe und Königin Mathilde hätten sich „aus Rücksicht auf die Umwelt und um eine nachhaltige Mobilität zu fördern“ für den Zug entschieden, hieß es. Wer sich über die glorreichen Zeiten deutscher Zugdiplomatie informieren will, muss in Archiven wie dem des Hauses der Geschichte stöbern. Dort erfährt man etwa, dass der Salon in Waggon 10205 in mattem Grün gehalten war, der Teppich hatte einen beigefarbenen Grundton, Sessel waren mit rötlich-beiger Karo-Steppseide bezogen oder hatten grün-beige Gobelin-Bezüge. Die Seidenvorhänge waren milchkaffeefarben. Für Türen und Fenster wurden unter anderem, schwedische Birke, Tabasko-Mahagoni, Nuss- und Kirschbaum genutzt.

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