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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Neun Tote nach Schießerei in tschechischem Restaurant

25.02.2015

Prag Zwei Dutzend Gäste sitzen in der Gaststätte „Druzba“ (Freundschaft) bei Bier und Knödeln beisammen. Es ist ein nasser Dienstag in der tschechischen Kleinstadt Uhersky Brod rund 250 Kilometer südöstlich von Prag. Kaum jemand ist auf der Straße. Plötzlich stürzt ein Mann mit zwei Pistolen herein, beginnt um sich zu feuern, wie ein Augenzeuge später im tschechischen Fernsehen berichtet. Sieben Männer und eine Frau sind sofort tot.

„Wir stehen alle unter Schock, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass so etwas hier möglich ist“, sagt der Bürgermeister der Stadt, Patrik Kuncar, später am Abend. Es kämen ständig Leute zu ihm, die nach ihren Verwandten suchten. Ein Freund einer der Toten sagt, es sei furchtbar: „Ich weiß, dass sie drinnen war und nicht mehr rausgekommen ist.“

Der Besitzer der Gaststätte, Pavel Karlik, ist ebenfalls erschüttert. „Er kam rein, zog eine kurze Waffe heraus und eröffnete das Feuer“, erzählt er einem Fernsehsender. Zuerst habe er gedacht, es sei nur eine Gaspistole. „Aber als ich das Blut sah, war alles klar.“ Ein anderer Augenzeuge berichtet, das erste Opfer sei die Kellnerin gewesen. Ein schockierter Rettungsdienst-Mitarbeiter berichtet: Der Schütze zielte auf die Köpfe.

Das Motiv für die Bluttat gibt Rätsel auf. Kurz zuvor rief der mutmaßliche Schütze bei einem privaten Fernsehsender an. Er soll gesagt haben: „Ich habe mit Leuten Probleme, die keiner löst, also kläre ich das selbst.“ Er fühle sich schikaniert, die Behörden würden dagegen nichts unternehmen. Man solle ein Fernsehteam nach Uhersky Brod schicken - er habe Waffen und Geiseln. „Er sprach mit leiser Stimme“, sagt der Fernsehjournalist später in seinem Sender. Er alarmiert die Polizei.

Eine Sondereinheit der Polizei stürmte die Gaststätte, konnte die Tragödie aber nicht mehr verhindern. „Das war keine Kurzschlusshandlung“, vermutet der Kriminal-Psychologe Jiri Jelen im Gespräch der Nachrichtenagentur CTK. Vieles deute darauf hin, dass der Mann die große Bühne gesucht habe.

Als die ersten Schüsse fallen, bricht im ersten Stock des Zweckbaus, in dem sich die Gaststätte „Druzba“ (Freundschaft) befindet, Panik aus. Gaststättenbesitzer Karlik kann sich mit einigen anderen durch die Hintertür retten.

Ein anderer Besucher, Petr Gabriel, war dem Täter noch nichts ahnend auf dem Weg zu der beliebten Bierhalle begegnet. „Ich habe ihn auf dem Weg zum Lokal überholt und bin zunächst aufs WC - das hat mir wohl das Leben gerettet“, sagt er.

Ersten Ermittlungen zufolge soll der Todesschütze ein 62-Jähriger ohne Vorstrafen sein. Der Bürgermeister von Uhersky Brod sagt, der Mann habe sich zum Schluss selbst erschossen und müssse geistesgestört gewesen sein. Er habe in der Nähe der Gaststätte gelebt, in deren Schankraum deutsche, tschechische und Schweizer Fahnen hingen, wie Fotos zeigen.

Anwohner beschrieben den Schützen als „eher unauffälligen“ Nachbarn. Mit seiner Frau soll er in der nahen Siedlung Olsava gelebt haben. Und er besaß den Behörden zufolge einen Waffenschein. Das ist in einer Stadt, deren größter Arbeitgeber eine Pistolenfabrik ist, allein noch nichts Außergewöhnliches.

Im dem eher ruhigen Provinzstädtchen mit gerade einmal 17 000 Einwohnern kann keiner die Tat so richtig begreifen. Für die Menschen in Uhersky Brod ist es der zweite Schicksalsschlag innerhalb von gut zwei Jahren. Damals waren bei einer Amateur-Ralley vier Mädchen gestorben, als ein Auto in die Zuschauer raste.

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