NEW YORK - Dominique Görlitz und seine Mannschaft starteten am Mittwoch in New York. In sechs Wochen wollen sie Spanien erreichen.
Von Peter Wütherich
New York/Chemnitz Die Freiheitsstatue hat schon viele Schiffe begrüßt und verabschiedet, seit sie auf ihrem steinernen Sockel über den Hafen von New York wacht. Am Mittwoch bot sich der kupfernen Dame ein gänzlich ungewohnter Anblick: Auf einem prähistorischen Schilfboot segelte ein Abenteurer-Trupp um den deutschen Hobby-Archäologen Dominique Görlitz an der Statue vorbei hinaus aufs offene Meer. Ziel ist das mehr als 5000 Kilometer entfernte Europa. Mit dem Trip wollen die zwölf Seefahrer beweisen, dass bereits die Menschen der Steinzeit vor mehr als 10 000 Jahren transatlantischen Handel betrieben.
„Das Boot ist eine Zeitmaschine“, sagte Görlitz kurz vor der Abfahrt. Sein Anspruch ist hoch: „Wir wollen die Geschichte umschreiben.“
Für die zwölf Besatzungsmitglieder, in der Mehrzahl Deutsche, wird es während der auf sechs Wochen geschätzten Überfahrt eng werden. Das Boot ist zwölf Meter lang und vier Meter breit. Es besteht aus fest verknüpften Schilfbündeln, die von Seilen zusammengehalten werden. Nur zwei Holzverschläge bieten Schutz vor dem Wetter.
Die Stimmung der Steinzeitsegler schwankt zwischen Abenteuerlust und Nachdenklichkeit. „Es wäre vermessen und überheblich zu sagen, dass wir keine Sorgen hätten“, gibt Bordmechaniker Michael Polzin zu. Crewmitglied Mark Hobert sagt: „Heute morgen fühlt es sich ein wenig unwirklich an. Es ist ein ziemlicher Nervenkitzel.“
Auf dem Atlantik ist das Team ganz auf sich gestellt. Mindestens fünf Wochen dürften vergehen, ehe die Seefahrer planmäßig auf den portugiesischen Azoren landen. Von dort soll es weiter nach Cadiz in Südspanien gehen. Für den Notfall hat die „Abora III“ Funksignal-Systeme dabei. „Wir wollen schließlich nicht Adam und Eva spielen“, rechtfertigt Görlitz die Abweichung vom steinzeitlichen Vorbild.
Der Chemnitzer Botaniker führt das Kommando. Ihn beflügelt die Vorstellung, „dass es schon zur Steinzeit Handelsaustausch über den Atlantik gegeben hat“. Dafür will er mit der „Abora-III“-Expedition den „ultimativen Beweis“ erbringen.
Görlitz gegenüber steht eine Archäologenzunft, die seiner Theorie keinen Glauben schenken will. Das Team nimmt die Skepsis als Ansporn. „Wir wollen unsere Daten den Wissenschaftlern vorlegen“, sagt Logistikchef Michael Grünert. Auch wenn die Wissenschaft weiter skeptisch bleibt: Sollte die „Abora III“ Europa erreichen, wäre das eine beispiellose Leistung.
