Zürich - Zu einer Alpenwanderung scheinen klingende Kuhglocken zu gehören wie Enzian und Edelweiß. Doch was halten die angeblich so glücklichen Schweizer Kühe davon, dass ihnen ständig eine Glocke am Hals hängt? Leiden sie unter der Last und dem Gebimmel? Sind Almwiesen also Schauplätze von Tierquälerei? Mit ihrer Forderung, den Kuhglocken-Brauch zu verbieten, hat die in der Schweiz lebende Holländerin Nancy Holten eine Kontroverse ausgelöst.
„Für Kühe sind die Glocken in etwa so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“, wettert die dreifache Mutter und Veganerin. Seit einem Jahr engagiert sie sich dafür, den Tieren die Glocke zu ersparen.
Damit stößt die Holländerin in ihrer Wahlheimat zwar nicht nur auf taube Ohren. Dennoch ist ein Verbot des „Soundtracks der Alpen“, wie Schweiz-Tourismus-Sprecher Alain Suter das Kuhglockengeläut nennt, bislang eher unwahrscheinlich.
Groß war die Empörung der Viehwirte über den vermeintlichen Angriff auf uraltes „Brauchtum und Kulturgut“. Die Wut vieler Bauern richtete sich auch gegen eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Die Forschungsarbeit beweise, dass Wiederkäuer in unvertretbar starkem Ausmaß unter dem Gewicht und dem Lärm litten. Allerdings erklärten die Forscher, dass es noch umfangreicherer Untersuchungen bedürfe. Jedoch zeigen die Zürcher Tests bereits jetzt, dass es nicht gänzlich folgenlos ist: An sechs Messtagen bewegten dabei 19 Kühe mit 5,5 Kilogramm schweren Glocken ihre Köpfe seltener als glockenlose Artgenossinnen
„Mein Gott, sind diese Forscher weltfremd“, schimpfte der Präsident des Schweizer Bauernverbands, Markus Ritter. Im wirklichen Leben würden Bauern meist leichtere Glocken verwenden als in dem Versuch. Zudem seien Glocken nun einmal notwendig, um in den weitläufigen Hochtälern der Alpen die Herden zusammenzuhalten und Tiere bei Nebel zu finden.
