OBERHAUSEN - Letzte Chance für Zirkus „Flic Flac“. Wenn sich bis Anfang kommender Woche kein Käufer findet, gibt es am 27. Juni die letzte Vorstellung. 90 Angestellte haben schon die Kündigung bekommen, bei den 43 Artisten läuft zum Monatsende der Vertrag aus. „Es ist nicht einfach, einen Zirkus zu übernehmen“, sagt der Zirkusdirektor und Inhaber des Familienunternehmens, Benno Kas­tein. Ein einziger Interessent für eine Übernahme sei nach monatelangen Verhandlungen noch im Rennen.

Den Namen will der 53-Jährige nicht nennen. Auch zu einem möglichen Kaufpreis schweigt er. Falls sich auch diese Hoffnung zerschlägt, soll es nach dem Ende des aktuellen Gastspiels in Oberhausen einen schlichten Abschied ohne Schnörkel geben: „Keine Party, kein Bedauern“ lautet die Devise. „Wahrscheinlich bin ich nicht der Typ dafür“, sagt Kastein. „Flic Flac“ zählt nach eigenen Angaben zusammen mit „Roncalli“ und „Krone“ zu den drei Großen in der deutschen Zirkus-Szene.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten seien nicht der Hintergrund seiner Entscheidung, versichert der Zirkusdirektor. Er will einfach nicht mehr. Nach zwei Jahrzehnten an der Spitze des von ihm gegründeten Unternehmens will sich der ehemalige Artist nun seinen Hobbys Drachenfliegen und Bergsteigen widmen und am Steuer des eigenen Wohnmobils unterwegs sein. Dabei will er unbedingt einen lang gehegten Traum verwirklichen: „Keine Übernachtungen mehr auf matschigen Plätzen.“

Beide Kastein-Töchter, die 19-jährige Tatjana und die 23-jährige Larissa, sind zurzeit nicht bereit, das Zirkusunternehmen zu übernehmen. Ihnen ist die Verantwortung zu groß. Wenn „Flic Flac“ den Betrieb einstellen sollte, soll der Name in der Familie bleiben, um vielleicht später einmal von den Töchtern genutzt werden zu können. Auf die beiden Artistinnen warten schon neue Engagements.

Am Premierenabend des möglicherweise letzten Gastspiels in Oberhausen ist am Donnerstag das 1500 Menschen fassende Zelt gut gefüllt. Harte Rockmusik und dramatische Opernklänge untermalen die waghalsigen Darbietungen.