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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Rettung für Jamaikas Korallenriffe

19.09.2019

Ocho Rios Everton Simpson lässt seine Augen über das Wasser der Karibik schweifen. Die schillernden Farbbänder, die er sieht, sagen ihm, was sich unter der Oberfläche findet. Smaragdgrün liegt über sandigem Untergrund, Saphirblau über Wiesen von Seegras. Tiefes Indigo deutet auf Korallenriffe hin – und das ist Simpsons Ziel.

Mit seinem Motorboot steuert er eine unmarkierte Stelle an, die er als „Korallenschule“ kennt – so, wie es etwa Baumschulen gibt. Simpson befestigt seinen Sauerstoffbehälter und lässt sich rückwärts ins Meer fallen, ausgerüstet mit Fischleine, einer Metallschere und einer Plastikkiste. Unten auf dem Meeresboden macht er sich an seine Arbeit, zieht sozusagen Korallen auf, um sie dann zu verpflanzen – dort, wo sie besonders benötigt werden.

Simpson ist ein „Korallengärtner“ – Teil einer Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Jamaikas Korallenriffe zu retten. Einst reichlich vorhanden, sind diese nach einer Reihe von Naturkatastrophen, aber auch menschlichen Eingriffen in den 1980er und 1990er Jahren um 85 Prozent geschrumpft. Das hat sich wiederum auf den Fischbestand ausgewirkt. Das Fischfang-Volumen ging auf ein Sechstel von dem in den 1950er Jahren zurück.

Viele Wissenschaftler glaubten, dass die meisten der Korallenriffe dauerhaft zerstört und damit für immer verloren seien. Aber sie kommen langsam zurück, und mit ihnen die tropischen Fische – dank der Arbeit der „Korallengärtner“, aber auch anderer Bemühungen. So galt es etwa, langjährige Fischer dazu zu bringen, Nichtfangzonen zu respektieren, um Korallen und deren Bewohnern Zeit zum Regenerieren und Wachsen zu geben.

„Wenn Du der Natur eine Chance gibst, kann sie sich selber reparieren“, sagt Stuart Sandin, ein Meeresbiologe am Scripps-Institut für Ozeanographie im kalifornischen La Jolla. „Es ist nicht zu spät.“

Die Bemühungen zur Rettung von Jamaikas Korallenriffen liefen vor rund zwei Jahrzehnten an, als der Fischbestand dramatisch zurückzugehen begann, und sie haben in den vergangenen zehn Jahren zunehmend an Schwung gewonnen. Mehr als ein Dutzend „Korallenschulen“ und Fischschutzzonen sind entstanden. Betrieben werden sie von Graswurzel-Gruppen, und Stiftungen, örtliche Unternehmen sowie Jamaikas Regierung unterstützen sie finanziell.

Simpsons Arbeit ist delikat. Von seinem Boot aus schwimmt er zunächst in gut 7,50 Meter Tiefe. Dort, auf dem Meeresboden, hängen kleine Korallenstücke an Seilen, so wie Socken an einer Wäscheleine. Simpson und andere Taucher kümmern sich um sie wie Gärtner um ein Blumenbeet, entfernen Schnecken und Feuerwürmer, die sich an unreifer Koralle laben. Wenn jedes Stück genügend gewachsen ist, ungefähr die Größe einer Hand erreicht hat, sammelt sie Simpson in seiner mitgebrachten Plastikkiste ein, um sie zu verpflanzen.

An einer Stelle, die Dickie’s Riff genannt wird, befestigt er sie mit Fischleine auf felsigen Ausbuchtungen. Sie bleiben angebunden, bis das Kalkstein-Skelett der Koralle wächst und und sich selbst dem Gestein anhaftet. Dann ist Simpsons Ziel erreicht - das natürliche Wachstum der Korallenriffe auf den Weg gebracht.

Und es scheint zu glücken. Das White River Fisch Sanctuary – die Fischschutzzone, in der Simpson arbeitet - besteht zwar erst zwei Jahre. Aber schon jetzt ist ein Erfolg sichtbar: Fische, die Riffe bewohnen, sind zurückgekehrt, und mit ihnen hungrige Pelikane, die in der Hoffnung auf Beute über die Wasseroberfläche fliegen.

Korallenriffe bergen eine erstaunliche Vielfalt von Leben und werden deshalb auch oft „Regenwälder des Meeres“ genannt. Nur ungefähr zwei Prozent des Ozeanbodens weisen Korallen auf, aber die verästelten Strukturen unterhalten ein Viertel aller Meeresarten. Clown-und Papageienfische, Zackenbarsche oder auch Schnapper legen Eier und verbergen sich in den Nischen des Riffes vor ihren Feinden, und ihre Anwesenheit zieht Aale, Seeschlangen, Tintenfische und sogar Haie an. Quallen und Seeschildkröten sind in gesunden Riffen regelmäßige Besucher.

Es ist eine Beziehung von beiderseitigem Nutzen: Die Fische stützen sich auf das Riff, um Gefahr zu entgehen und Eier zu legen – und sie fressen Rivalen der Korallen.

Die Einrichtung von Fischerei-Verbotszonen ist ein Kernbestandteil der Jamaika-Projekte: Jungfische sollen ein reproduktives Alter erreichen, bevor sie gefangen werden. Die Maßnahme wird weitgehend von den örtlichen Fischern unterstützt. Sie haben gesehen, dass Verbotszonen tatsächlich helfen, den Fischbestand in der Nähe wieder anwachsen zu lassen.

So hat sich Jamaikas Umweltbehörde zufolge die Zahl der Fische im Oracabessa Bay Fish Sanctuary von 2011 bis 2017 verdoppelt. Die Schutzzone besteht seit 2010, und örtliche Fischer wurden für Patrouillen angeheuert – ein Modell für folgende Projekte.

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