Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Wanderjahre Bulli-Tour statt klassischer Walz

Heidi Scharvogel
<p>Frauke Farin mit zwei ihrer Lieblingsstücke in ihrem Laden  in Oldenburg.</p>

Frauke Farin mit zwei ihrer Lieblingsstücke in ihrem Laden in Oldenburg.

Heidi Scharvogel

Oldenburg - Flammeneffekte auf im Holzofen gebrannten Töpferwaren oder knallbunte Glasuren – die Oldenburger Keramikerin Frauke Farin hat während ihrer zwei Jahre im Ausland viele Erfahrungen gesammelt.

Drei Tage lang hat sie in Devon mit dafür gesorgt, dass die Temperatur in einem mit Holz befeuerten Keramikbrennofen konstant bei knapp unter 1300 Grad blieb. Der holzbetriebene Brennofen sei fast so groß gewesen wie der Verkaufsraum ihres Ladens in Oldenburg, erzählt die selbstständige Keramikerin. „Da passen die Arbeiten eines halben Jahres rein.“

Damit die Temperatur gehalten wird, muss immer wieder Holz nachgelegt werden. Dafür haben Frauke Farin und weitere Helfer in Schichten von mehreren Stunden gesorgt. „Die Zeit vergeht schnell Das Feuer ist faszinierend und es ist aufregend – auch weil man vorher nicht genau weiß, wie die Keramiken nach dem Brand aussehen.“

Denn die Flammen werden durch den Ofen geleitet und hinterlassen Spuren auf den Tellern, Vasen oder Skulpturen. „Im Idealfall hat jedes Teil einen anderen Farbverlauf von weiß über orange bis braun.“

Walzregeln zu streng

Ins Ausland aufgebrochen ist Frauke Farin gleich nach der Ausbildung in Celle. Schon während der Lehrzeit hatte ihr eine Freundin einen Zeitungsartikel über eine Keramikerin auf der Walz gezeigt. „Das möchte ich auch“, war die spontane Reaktion, der in Kirchhatten und Wardenburg aufgewachsenen jungen Frau. „Richtig auf die Walz zu gehen, war mir dann aber doch zu streng. Ich wollte lieber mit einem Bulli los, um ein bisschen unabhängiger zu sein. Das erlauben die Walz-Regeln aber nicht.“

Auf dem Töpfermarkt in Oldenburg hat sie Kontakte geknüpft. Die erste Station war ein „supernetter Keramiker in Holland.“ Bei ihm hat Frauke Farin Sicherheit an der Drehscheibe bekommen und viel gelernt, wie sie selbst erzählt. Von ihm bekam sie die Adresse einer Kollegin in Rotterdam, deren Schwerpunkt Glasuren sind, die aber auch viel experimentiert. „Wir haben aus dicken Keramikplatten eine Sitzbank und einen Stuhl hergestellt“, erinnert sich die 38-Jährige.

Um Betriebe in England zu finden, hat sie „Tausende E-Mails geschrieben“. Neben vielen Absagen antwortete eine: „Hilfe kann ich immer gebrauchen“. So kam Frauke Farin zuerst in die Nähe von London und nach Devon, wo sie neben dem Holzofenbrand die Arbeit mit rotem Ton und heller Engobe näher kennenlernte.

Damit hatte sie „ihre“ Technik gefunden. Engoben sind flüssiger Ton, den man auch einfärben kann. Sie werden als zweite Schicht auf noch nicht gebrannte, etwas angetrocknete Keramiken aufgetragen.

Riesengroßes Feld

In Plymouth war Frauke Farin bei einem Kollegen, der knallbuntes Steingutgeschirr herstellt. „Bei seinen Stücken fragt man sich, ob man sie benutzen oder als Kunstwerk aufstellen soll.“

Die letzte Station im Ausland war bei einem deutschen Paar in der Toscana. Dort hat Frauke Farin gemerkt: „Jetzt ist es so weit. Ich will eigene Sachen machen, nicht mehr die Ideen anderer abarbeiten.“

Zurück in Oldenburg setzte sie sich mit einer Nachbarin ihrer Eltern zusammen, „einer Goldschmiedin, die jede Menge Kontakte hat“ und überlegte, wo und mit wem sie eine Werkstatt aufziehen könnte. Nach Stunden fiel der Nachbarin eine Freundin ein, eine über 70-jährige Keramikerin mit einer komplett eingerichteten Werkstatt in Oldenburg.

Dort konnte Frauke Farin zwei Jahre lang arbeiten. 2012 eröffnete sie dann ihren eigenen Laden mit Werkstatt in der Humboldtstraße in Oldenburg. Hier ist die verheiratete Mutter von zwei kleinen Söhnen nach wie vor aktiv. Die Jungs sind immer mal wieder mit im Laden. Dann wird es mit dem Töpfern allerdings schwierig, denn gerade bei der Arbeit mit Engoben kommt es auf den passenden Zeitpunkt an. Der Ton darf weder zu trocken noch zu feucht sein, sonst reißen die Gefäße und gehen kaputt.

Frauke Farin malt auch gern mit Engoben. Anfangs schmückten viele kleine Bienen, Vögel oder Blumen ihr Geschirr. Inzwischen ist Abstraktes dazugekommen: „Langweilig wird mir sicher nicht. Denn die Keramikarbeit ist ein riesengroßes Feld.“

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Haben das Demokratiefest am 11. Mai in Schortens aus Sicherheitsgründen abgesagt: die Veranstalter (von links) Detlef Kasig, Axel Homfeldt und Wolfgang Ottens.

SICHERHEITSGRÜNDE Veranstalter sagen Fest für Demokratie in Schortens ab

Jever
Da hofften sie noch auf ein buntes Familienfest (von links): die Initiatoren von „Rock durch die Mitte“ Detlef Kasig (SPD), Axel Homfeldt (CDU) und Wolfgang Ottens (Grüne).

DEMOKRATIE-FEST IN SCHORTENS ABGESAGT Initiatoren sehen Sicherheit am 11. Mai gefährdet

Jeversches Wochenblatt
Schortens
Mit der Legalisierung von Cannabis für Erwachsene wird auch Jugendlichen suggeriert, dass Kiffen in Ordnung ist.

DROGENKONSUM BEI JUGENDLICHEN Die Reifung von Hirn und Emotionen bleibt beim Kiffen auf der Strecke

Anja Biewald
Oldenburg
Die Baskets Oldenburg um Alen Pjanic (links) können in der Tabelle klettern. Vechta und Wes Iwundu fehlen noch ein Sieg im Playoff-Rennen.

ZWEI SPIELTAGE VOR ENDE DER HAUPTRUNDE Das ist für Baskets Oldenburg und Rasta Vechta noch drin

Niklas Benter
Oldenburg
Der Herr der Zahlen bei Kickers Emden: Steuerberater und Vorsitzender Hendrik Poppinga.

WEGWEISENDE VERSAMMLUNG Wichtiges Zukunfts-Votum bei Kickers Emden – Mitglieder kommen Ende Mai zusammen

Lars Möller
Emden