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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Gelebte Inklusion: Eine Familie für jedes Kind

20.08.2022

Ovelgönne In der Familie von Kerstin Held wird schon immer Inklusion gelebt. Aufgewachsen ist sie zusammen mit ihrer schwerbehinderten Schwester, heute gibt sie Kindern mit Behinderung ein Zuhause in Ovelgönne.

„Meine jüngere Schwester hatte eine vererbbare Muskelerkrankung. Der Rolli war für mich als Kind ganz normal“, erzählt die 46-Jährige. Wie viel es in Sachen Inklusion noch zu tun gibt, hat Kerstin Held gemerkt, als sie im Jahr 2000 „völlig blauäugig“ ihr erstes behindertes Pflegekind aufgenommen hat. „Ich kannte Sascha schon viele Jahre und hatte einen Pflegeauftrag von dem Heim, in dem er zuvor war. Seine Mutter hat sich immer gewünscht, dass er in eine Pflegefamilie kommt.“

Also alles gut. Doch nach sechs Wochen meldete sich das Jugendamt: Kerstin Held bräuchte eine Pflegebefähigung. Das Jugendamt konnte ihr aber keine ausstellen, weil im Gesetz nur vorgesehen war, dass Kinder mit einer Behinderung entweder bei ihren leiblichen Eltern oder im Heim leben.

Gegenseitiger Respekt

In der Zwischenzeit gab es verschiedene rechtliche Übergangsregelungen, jetzt haben Pflegeeltern behinderter Kinder zumindest einen per Gesetz gesicherten Beratungsanspruch. „Beratung ist wichtig, denn jedes Kind mit Behinderung ist eine Einzelfallentscheidung“, so Kerstin Held.

Die Ergotherapeutin, Fachberaterin für Rehabilitations- und Medizintechnik und Eventmanagerin setzt sich auch dafür ein, dass leibliche Eltern von Kindern mit Behinderung und deren Pflegeeltern respektiert werden. „Wenn Eltern ihr behindertes Kind ins Heim geben, haben alle Verständnis. Wenn es in eine Pflegefamilie kommt heißt es oft: Dann hätte es doch auch bei euch bleiben können“, berichtet Kerstin Held.

„Aber für das Leben mit einem Kind, das Intensivpflege benötigt, muss man gemacht sein. Es bedeutet nämlich unter anderem, dass 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche fremdes Pflegepersonal im Haus ist. Man hat also keine Privatsphäre. Wenn man, wie ich, das Modell der persönlichen Assistenz gewählt hat, ist man auch Arbeitgeber der Pflegekräfte. Morgens einfach mal in Unterwäsche in die Küche tapern und sich einen Kaffee holen, geht da nicht.“ Zurzeit kümmert sich Kerstin Held zusammen mit zwölf Pflegerinnen und Pflegern um vier schwerstbehinderte Kinder.

Um dem weit verbreiteten „Halbwissen“ Informationen aus erster Hand entgegenzusetzen, entschied sich Kerstin Held 2017 in die Öffentlichkeit zu gehen. Auf den GEO-Artikel „Frau Held Mutter“ folgten Einladungen zu Talkshows. Außerdem ließ sich Kerstin Held für den Gemeinderat und den Kreistag aufstellen und gewann mit dem Slogan „Inklusion schaffen wir“ jeweils ein Direktmandat: „Inzwischen haben wir im Landkreis Wesermarsch eine halbe Stelle für eine/n Kreisbehindertenbeauftragte/n und eine ganze Stelle für einen Inklusionslotsen. Dieser vermittelt Ansprechpartner und auch zwischen den verschiedenen beteiligten Behörden, denn diese reden häufig nicht miteinander.“

Preisgeld für Prävention

Außerdem ist sie Vorsitzende des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder e.V. und aktiv an der Gesetzgebung auf Bundesebene beteiligt. „Mir ist wichtig, keine überzogenen Forderungen zu stellen, sondern das was möglich ist umzusetzen“, sagt Kerstin Held. „Inklusion braucht vor allem Haltung und gegenseitige Rücksichtnahme.“

Privaten Medien hat sie bis vor kurzem immer abgesagt, bis eine Redakteurin von „Bild der Frau“ fragte, ob sie ein Thema hätte, dass eine große Öffentlichkeit brauche. „Ja, das fetale Alkoholsyndrom“, sagte Kerstin Held. „In Deutschland werden jedes Jahr mindestens 21 000 Kinder mit schwersten Behinderungen geboren, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Vermutlich sind viermal so viele Kinder betroffen, aber ihre Mütter trauen sich nicht es zu sagen. Nach einer aktuellen Studie konsumiert jede vierte Frau in der Schwangerschaft Alkohol.“

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Um über dieses Thema aufzuklären, hat Kerstin Held zugestimmt, als die Redakteurin sagte, sie müsse eine der fünf „Goldene Bild der Frau“ in diesem Jahr werden. Die 10 000 Euro Preisgeld bekommt der Bundesverband behinderter Pflegekinder für das Präventionsprojekt. Wenn Kerstin Held beim aktuellen Voting zum Leserpreis genug Stimmen erhält, würde sie auch die 30 000 Euro Prämie unter anderem in Projekte zum fetalen Alkoholsyndrom stecken.


     goldenebildderfrau.de/#voting 
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