Berlin/Istanbul - Einen Tag nach dem gerichtlichen „Ja“ für die Homo-Ehe in den USA, haben Hunderttausende beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin gefeiert. Die Polizei zählte am Sonnabend am Ende 200 000 Menschen, die bei der Parade auf den Wagen und in Fußgruppen zum Brandenburger Tor mitfuhren und -liefen. Am Straßenrand sammelten sich entlang der Route gut 550 000 Schaulustige. Das CSD-Motto in diesem Jahr: „Wir sind alle anders. Wir sind alle gleich.“
Unter den Feiernden waren auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller – er eröffnete die Parade – sowie sein Vorgänger Klaus Wowereit (beide SPD), ebenso der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, John B. Emerson. Am Freitag hatte das höchste US-Gericht die Homo-Ehe in allen 50 Bundesstaaten für zulässig erklärt. „Wir werden weitermarschieren, bis diese Rechte überall auf der Welt anerkannt werden“, sagte Emerson bei der Eröffnung des Berliner CSD.
Ob nur mit einer kleinen Lederhandtasche „bekleidet“ oder mit schwarz-rot-goldenen Pailletten-Hörnern auf dem Kopf: Wie jedes Jahr waren Lack und Leder, nackte Haut und aufwendige, farbenfrohe Kostüme zu sehen. Im Mittelpunkt der Parade stand allerdings ein recht konservativer Wunsch: heiraten zu können – so wie heterosexuelle Paare. Zum inoffiziellen Motto der Parade, die jährlich weltweit für die Rechte von Lesben, Schwulen und Trans-Menschen eintritt, mauserte sich diesmal der Slogan der Initiative „Ehe für alle“: „Mein Ja habt ihr!“.
Auch die queerpolitische Gruppe der CDU warb auf ihrem Wagen für die „Ehe für alle“. Innerhalb der Union gibt es keine Mehrheit für eine Gleichstellung. Aus Rücksicht auf den Koalitionspartner hält sich die SPD zurück.
Während in Berlin gefeiert wurde, hat in Istanbul die türkische Polizei die jährliche Schwulen- und Lesbenparade gewaltsam verhindert. Teilnehmer des geplanten „Marsch des Stolzes“ wurden am Sonntagabend mit Wasserwerfern und Tränengas daran gehindert, sich auf dem zentralen Taksim-Platz zu versammeln, wie Augenzeugen berichteten.
