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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Coronavirus: Lungenkrankheit in China breitet sich aus

21.01.2020

Peking Die Zahl bestätigter Fälle einer neuen Lungenkrankheit in China ist sprunghaft auf rund 200 gestiegen. Zudem starb ein weiterer Patient. Damit gibt es inzwischen drei bekannte Todesfälle, wie die Gesundheitsbehörde der schwer betroffenen zentralchinesischen Metropole Wuhan am Montag berichtete. Erstmals wurden Infektionen mit dem Coronavirus auch an anderen Orten in China nachgewiesen. Experten befürchten, dass der vermutlich von einem Tier über gesprungene Erreger anders als anfangs angenommen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine Sars-Variante handelt. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

Nach von Landesbehörden gemeldeten Fällen in Thailand und Japan gilt inzwischen auch in Südkorea eine Infektion als bestätigt. Eine 35-jährige Chinesin, die am Sonntag aus Wuhan gekommen sei, habe unter Fieber, Atemproblemen und anderen Krankheitssymptomen gelitten, teilten die Koreanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mit.

In Peking im Norden Chinas wurde die neue Sars-Variante nach Behördenangaben inzwischen bei zwei Patienten nachgewiesen, in Shenzhen im Süden bei einem. Alle drei waren vorher in Wuhan. Der Großteil der Infektionen konzentrierte sich mit 198 bekannten Fällen weiter auf die 11-Millionen-Metropole. Von den Patienten dort sind 35 schwer erkrankt, davon sind neun in kritischem Zustand, wie die Gesundheitsbehörde berichtete.

Mit dem plötzlichen Anstieg auf gut 200 haben sich die bisher bekannten Fälle über Nacht mehr als verdreifacht. Experten des Imperial College London gehen allerdings davon aus, dass die Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben.

Chinas Gesundheitskommission erklärte in Peking, der Übertragungsweg sei „noch nicht völlig verstanden“. Die anfänglichen Infektionen wurden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden.

Coronaviren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen – allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu. Bei der Sars-Pandemie 2002/2003 war der Ausbruch anfangs vertuscht worden, was eine schnelle Reaktion verhindert und die Verbreitung begünstigt hatte. Der damalige Sars-Erreger sprang höchstwahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen über, angenommene Quelle sind Schleichkatzen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der neuartigen Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten sollen am Mittwoch darüber beraten, ob eine Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll, wie die WHO am Montag berichtete. Diese unabhängigen Experten empfehlen auch Maßnahmen, die möglicherweise ergriffen werden sollten.

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