PERUGIA - Entlastung für den „Engel mit den Eisaugen“? Im Berufungsprozess gegen die 2009 gemeinsam mit ihrem Ex-Freund wegen Mordes an einer britischen Austauschstudentin verurteilte Amerikanerin Amanda Knox hat das Gericht am Montag über ein neues Gutachten verhandelt.

Zwei vom Gericht bestellte Rechtsmediziner sind zu dem Schluss gekommen, dass nach dem Mord am Tatort gesammeltes DNA-Material verunreinigt war. Dabei handelt es sich um Spuren des Opfers und von Knox auf dem mutmaßlichen Tatmesser. Zudem geht es um DNA-Reste von Knox’ Ex-Freund, die auf dem Büstenhalter-Verschluss der Getöteten entdeckt wurden. Die Spuren gehörten italienischen Medienberichten zufolge zu den wichtigsten Beweisen der Anklage.

„Damit bricht die Beweisführung der Anklage zusammen“, triumphierte Giulia Bongiorno, Verteidigerin von Knox’ italienischem Ex-Freund Raffaele Sollecito. Francesco Maresca, Anwalt der Familie der Ermordeten, betonte dagegen, das Gutachten sei absolut „nichts Neues“ und würde auch nichts an dem Urteil ändern.

Knox und Sollecito waren vor zwei Jahren für den Mord an der Britin Meredith Kercher zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die 21-jährige Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt und halbnackt sowie von 40 Messerstichen übersät in einer Wohnung in Perugia gefunden worden. Die Amerikanerin Knox hatte im Zuge des Mordprozesses von den italienischen Medien den Namen „Engel mit den Eisaugen“ bekommen. Die nächste Anhörung in dem Berufungsprozess soll am 30. Juli sein. Das Urteil wird im September erwartet.