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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Polnischer Beifahrer wurde offenbar erschossen

20.12.2016

Berlin Bei einem möglichen Anschlag in Berlin ist ein Mann am Montagabend mit einem Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt gefahren und hat mindestens zwölf Menschen getötet. 48 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrer Ansprache am Dienstagvormittag die Vermutung bestätigt: Der mörderische Angriff auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin war nach derzeitigem Wissen ein Terroranschlag. Die Hintergründe blieben zunächst unklar.

Der NWZ-Liveticker zu den Ereignissen:

Am Dienstagmorgen sprach die Polizei erstmals von dem Verdacht auf einen Terroranschlag. „Alle polizeilichen Maßnahmen zu dem vermutlich terroristischen Anschlag am Breitscheidplatz laufen mit Hochdruck und der nötigen Sorgfalt“, twitterte die Polizei.

„Wir haben in der Zwischenzeit keine Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat“, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag in Berlin. Der Sattelschlepper sei bewusst in die Menschenmenge gesteuert worden. „Wir haben es mit einem brutalen Attentat zu tun“, sagte der Minister. Ein offizielles Bekenntnis einer Terrorgruppe gebe es noch nicht.

De Maizière bestätigte, dass es sich bei dem noch am Montag festgenommenen Mann, der der Fahrer des Lasters sein könnte, um einen Asylbewerber aus Pakistan handele. Er sei Silvester 2015 eingereist und registriert worden. Über das Asylverfahren sei noch nicht abschließend entschieden.

Allerdings hat der in Berlin festgenommene Terrorverdächtige den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt möglicherweise nicht begangen. „Es ist in der Tat unsicher, dass es der Fahrer war“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Dienstag.

Am Montagabend war ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen kamen ums Leben, 48 wurden verletzt. De Maizière sagte, es seien erst wenige der Toten identifiziert. Nach seinen Angaben erlitten 18 Menschen, die noch in Behandlung sind, schwere Verletzungen.

Unter den Toten auf dem Berliner Breitscheidplatz befindet sich nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) auch eine Person, die erschossen wurde. Vermutlich handele es sich um einen polnischen Kraftfahrer, der allerdings Opfer und nicht Täter sei, sagte Schröter am Dienstag in Potsdam. Schröter berief er sich dabei auf Angaben aus einer Telefonkonferenz der Innenminister der Länder.

Lesen Sie auch: Polizei durchsucht Hangar am Flughafen Tempelhof

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern mit hoher Geschwindigkeit über den Markt und zerstörte dabei mehrere Buden.

Der womöglich unschuldige Tatverdächtiger wurde nahe der Siegessäule im Tiergarten festgenommen. Ein Mann, der auf dem Beifahrersitz saß, verstarb demnach vor Ort. Bei ihm handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger, wie die Polizei mitteilte.

Der Verdächtige war nach einem Medienbericht dank eines Augenzeugen festgenommen worden. Der Zeuge sei dem flüchtenden Lastwagenfahrer gefolgt und habe dabei ständig über Handy die Notrufzentrale über die Position des Mannes informiert, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel laut „Welt/N24“. Eine Bestätigung für den Bericht war bei der Polizei nicht zu bekommen.

Nach etwa zwei Kilometern Verfolgungsjagd habe schließlich die Besatzung eines Streifenwagens den Mann an der Siegessäule gestoppt. Mit Hilfe des Zeugen sei möglich gewesen, den Verdächtigen zu fassen, sagte Wenzel. Die Polizei wisse zwar, wer der mutige Zeuge sei, gehe aber davon aus, dass er anonym bleiben wolle.

Der Verdächtige soll nach Erkenntnissen der Behörden etwa 23 Jahre alt sein. Als Geburtsjahr des Mannes werde das Jahr 1993 angegeben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Sicherheitskreisen. Unklar blieb zunächst, ob den Behörden in diesem Zusammenhang ein echtes Personaldokument vorlag oder ob sich die Altersangabe auf eine Auskunft des Flüchtlings stützt. Der Verdächtige – unter dem Namen Naved B. bekannt – habe zwei Alias-Namen geführt.

Der Mann habe in einer Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Berliner Flughafen Tempelhof gelebt, hieß es weiter. Als Islamist soll er bislang nicht auffällig geworden sein. Er tauche in der entsprechenden Datei der Behörden nicht auf, hieß es aus Sicherheitskreisen. Der Verdächtige sei der Polizei allerdings wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Auftrag des Generalbundesanwalts die Ermittlungen übernommen. „Der Generalbundesanwalt beim BGH hat ein Strafverfahren eingeleitet und das BKA mit den Ermittlungen beauftragt“, teilten die Wiesbadener Kriminalbeamten am Dienstag auf Twitter mit.

Generalbundesanwalt Peter Frank und der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, wollen sich am Dienstag zu dem mutmaßlichen Anschlag dazu äußern. Beide würden um 14.30 Uhr eine Pressekonferenz in Berlin geben, teilte das Bundesjustizministerium via Twitter mit. Der Ort stand zunächst nicht fest.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte noch am Abend darüber informiert, dass die Bundesanwaltschaft den Fall übernommen hat. Sie ist für Straftaten zuständig, die die innere Sicherheit der Bundesrepublik betreffen, insbesondere Terrorismus. Eine Sprecherin der Karlsruher Behörde sagte am Dienstag auf Anfrage, sie könne noch nichts Näheres sagen, auch nicht zur Person des Festgenommenen.

Der an der Vorderseite stark demolierte Lastwagen kam am Rande der Budapester Straße zum Stehen. Der Fahrer war zunächst Richtung Zoo geflüchtet.

Dutzende Rettungswagen und viele Polizeiwagen waren vor Ort. Das Gelände wurde abgesperrt, Passanten wurden nur noch vom Weihnachtsmarkt herunter gelassen. Laut Feuerwehrsprecher Gerling trafen die ersten Notrufe um 20.07 Uhr ein.

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski in einem Telefonat dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Fahrer sei seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen. Es handele sich um seinen Cousin, er könne seine Hand für ihn ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. „Es kann einfach nicht mein Fahrer gewesen sein“, sagte Zurawski zu dem Vorfall. „Ihm muss etwas angetan worden sein“, mutmaßte er. „Ich stehe so unter Schock.“

Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagenwagen in Berlin geparkt.

Nach Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) war die Situation am Abend unter Kontrolle. Der Regierungschef reagierte geschockt. „Was wir hier sehen, ist dramatisch“, sagte Müller auf dem Breitscheidplatz. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Tote oder Verletzte zu beklagen hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich bestürzt. „Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Merkel sei mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Berlins Bürgermeister Müller in Kontakt.

Sicherheitskabinett tagt am Dienstag

Das Sicherheitskabinett der Bundesregierung kam unter der Leitung von Merkel am Dienstag um 11.30 Uhr zusammen, um über den mutmaßlichen Anschlag in Berlin zu beraten.

Es handelt sich dabei um eine informelle Runde von Regierungsmitgliedern, die einberufen wird, wenn es die Sicherheitslage oder die politische Situation erfordert. Grundsätzlich besteht das Gremium es aus der Kanzlerin, dem Außenminister, der Verteidigungsministerin, dem Innenminister und dem Chef des Bundeskanzleramtes. Je nach Situation kann die Runde erweitert werden, beispielsweise um den Vizekanzler oder die Leiter der Sicherheitsbehörden und Geheimdienste.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die derzeit im westafrikanischen Mail ist, wird von einem Staatssekretär vertreten.

Reaktionen: „Die Franzosen teilen die Trauer der Deutschen“

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich ebenfalls betroffen. „Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt“, teilte Gauck mit. Ähnlich äußerten sich Frankreichs Präsident François Hollande, Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Frankreich erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen auf seinen Weihnachtsmärkten.

Kommentar: Nicht in Panik geraten

Bundesinnenminister de Maizière erklärte: „Meine Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzen des schrecklichen Vorfalls. Ich stehe in unmittelbarem und durchgehendem Austausch mit den Sicherheitsverantwortlichen im Land Berlin und habe jede Unterstützung durch die Bundespolizei angeboten.“ Für Dienstag ordnete de Maizière die bundesweite Trauerbeflaggung der Bundesbehörden angeordnet. „Dies geschieht als Zeichen der Anteilnahme nach der Gewalttat auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin am gestrigen Abend“, teilte das Ministerium mit.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, die Behörden wüssten noch nicht mit Gewissheit, was wirklich geschehen sei. „Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit Hochdruck daran, die Unglücksstelle zu sichern und die Täter zu finden.“

Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich gegen eine Absage der Weihnachtsmärkte in Deutschland ausgesprochen. Dies teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs mit.

„Wir müssen jetzt noch mehr Wachsamkeit und Präsenz zeigen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Sender WDR5. Die Polizei werde in Doppelstreifen und schwerer bewaffnet kontrollieren, außerdem werde es verdeckte „Maßnahmen“ geben. Dabei gehe es insbesondere darum, die islamistische Szene zu beobachten.

In Bremen steht die Polizei nach eigenen Angaben im Austausch mit den anderen Bundesländern. Die Lage werde neu bewertet. In Braunschweig zeigte die Polizei bereits am Montagabend mehr Präsenz rund um den Weihnachtsmarkt, wie ein Sprecher sagte. In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover wurden der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ zufolge ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) forderte die Bürger auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Das sei genau das, was solche Täter erreichen wollten, sagte Caffier dem Sender NDR 1 Radio MV. Die Menschen sollten zwar aufmerksam sein, sich aber nicht vom Besuch eines Weihnachtsmarktes abhalten lassen.

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für diesen Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.

Der Bürgermeister von Nizza, Philippe Pradal, äußerte sich noch in der Nacht zum Anschlag in Berlin. „Gleiche Vorgehensweise. Gleiche blinde Gewalt. Gleicher Hass auf glückliche Menschen“, schrieb er auf Twitter.

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