POTSDAM - Beim Hochwasser in Brandenburg zeichnete sich auch am Donnerstag keine Entspannung ab. Der aus Sachsen kommende Hochwasserscheitel mehrerer Flüsse erreichte den Landessüden und bewegte sich flussabwärts. „Wir sind gut über die Nacht gekommen, und die Deiche in Elsterwerda haben gehalten“, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Allerdings bereitet der mehrtägige Druck auf die Dämme den Fachleuten immer mehr Sorgen. Auch in den nächsten Tagen ist nicht mit einem entscheidenden Sinken der Pegelstände zu rechnen.

Für die brandenburgischen Orte Elsterwerda und Bad Liebenwerda wurden unterdessen stagnierende Wasserstände der Schwarzen Elster von rund 3,50 Meter gemeldet, das ist doppelt so hoch wie sonst. Derweil stieg der Pegelstand in dem flussabwärts gelegenen Herzberg weiter leicht an.

„Die Dämme der Schwarzen Elster sind viele Jahrzehnte alt“, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes in Herzberg. Der Wasserdruck habe mehrere Sickerstellen verursacht, die nur mit großem Einsatz repariert werden konnten. Tatsächlich brach am Donnerstagnachmittag im Landkreis Wittenberg (Sachsen-Anhalt) ein Deich der Schwarzen Elster. 200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Von der am Mittwoch eingeleiteten freiwilligen Evakuierung in der Innenstadt von Elsterwerda waren nach Angaben des Katastrophenstabes etwa 2700 Personen betroffen. „Wir wissen aber nicht, wie viele Bewohner ihre Wohnungen verließen und wann sie wieder zurückkehren können“, sagte der Sprecher. „Wegen der angespannten Lage können wir noch keine Entwarnung geben.“ Die vorsorglich für etwa 500 Bewohner eingerichtete Notunterkünfte seien nicht genutzt worden. In dem Landkreis blieben 16 Schulen gesperrt. Einige von ihnen sollen an diesem Freitag wieder öffnen, andere bleiben geschlossen.

Rund 1000 Einsatzkräfte befestigten im Kreis Elbe-Elster gefährdete Deichstellen. Sie verbauten bisher rund 500 000 Sandsäcke. An der Talsperre Spremberg wird zur Entlastung der Spree – wie beim August-Hochwasser – kontrolliert Wasser abgelassen. Die Menge wurde schrittweise auf 65 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert. Das ist fast das Zehnfache wie zuvor.