Berlin - Nach der Festnahme eines Gefängnis-Ausbrechers gibt es noch viele offene Fragen. Wer half dem mutmaßlichen Mörder beim Untertauchen über zehn Wochen? Wer besorgte dem 34-Jährigen Wohnung, Auto und falsche Papiere? Dies müsse jetzt ermittelt werden, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Freitag. Es sei davon auszugehen, dass der 34-Jährige dies nicht allein aus dem Gefängnis heraus vorbereiten konnte. Die Flucht selbst sei nicht strafbar.
Der Gesuchte war am Donnerstag überraschend in einer Wohnung in Berlin-Reinickendorf von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei festgenommen worden. Der 34-Jährige habe keinen Widerstand geleistet. „Er war überrascht“, so der Sprecher. Die Einsatzkräfte hätten den Mann sofort wieder erkannt. Bei ihm wurden auch ein gefälschter Ausweis und Tausende Euros in bar beschlagnahmt.
Nach dem 34-Jährigen war auch mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Vermutet wurde zunächst, dass er sich in die Türkei abgesetzt haben könnte. Es spreche nun einiges dafür, dass der Mann gar nicht aus Berlin weg war, so der Sprecher.
Bei dem spektakulären Ausbruch aus dem Gefängnis Moabit war in der Nacht zum 19. Mai auch ein zweiter Häftling geflüchtet. Der 25-jährige verurteilte Betrüger wurde Anfang Juni in einem Berliner Hotel gefasst. Er war von einer Angestellten trotz gefärbten Bartes erkannt worden. Beide Ausbrecher hatten die Gitterstäbe ihrer Zellen zersägt, sich abgeseilt und eine Mauer und Stacheldraht überwunden.
Der 34-Jährige sitzt nun wieder in Moabit in Untersuchungshaft. Ihm wird zur Last gelegt, im März 2013 einen Berliner Clubbetreiber aus Habgier getötet zu haben. Gegen ihn läuft am Berliner Landgericht ein Mordprozess. Nächster Verhandlungstermin ist am Dienstag.
