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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Rechter Schlägertrupp mit Stahlkappen und Hitlergruß

11.06.2016

Heinsberg Die drei Flüchtlinge warten an einer Bushaltestelle, als der Schlägertrupp naht: mit Schlagstock, Quarzsandhandschuhen und Stahlkappenschuhen. Die vier heute 18 bis 20 Jahre alten Männer provozieren die Ausländer verbal, der Hitlergruß wird gezeigt. Dann schlägt die Pöbelei in Gewalt um: Zwei Flüchtlinge können noch fliehen, doch der dritte wird von den Rechten so heftig verprügelt, dass er für zwei Tage ins Krankenhaus kommt. Die Staatsanwältin wird eineinhalb Jahre danach von einem Gewaltakt sprechen, der leicht tödlich hätte enden können. Dennoch gibt das Jugendschöffengericht Heinsberg den Tätern am Freitag eine letzte Chance.

Sollten die wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilten Schläger in den nächsten sechs Monaten erneut negativ auffallen, wandern sie in den Jugendknast - das individuelle Strafmaß liegt zwischen einem Jahr und zwei Monaten und einem Jahr und neun Monaten. Die ausländerfeindlichen Täter müssten nun während einer sechsmonatigen Vorbewährung beweisen, „dass sie die Bewährung verdient haben“, mahnt Jugendrichterin Claudia Loch in ihrer Begründung des Urteils, gegen das Revision möglich ist. Zu den Auflagen gehören unter anderem die Teilnahme an einem Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes und der Besuch des NS-Dokumentationszentrums in Köln.

Der verletzte Flüchtling wird an diesem verhängnisvollen Tag im Januar 2015 mit einem Schlagstock traktiert und geht zu Boden. Einer der Täter tritt ihm mit seinen schweren Stahlkappenschuhen gegen den Kopf. Er brüstet sich später damit im Internet, bekommt vor Gericht aber keinen Ton heraus, wie Richterin Loch feststellt.

Ein fünfter Kumpel aus dem Trupp muss zum Mittagessen nach Hause und kann deshalb nicht mitprügeln, macht aus seiner Einstellung vor Gericht aber keinen Hehl. „Er hat gesagt, er würde lieber in den Knast gehen, als ins NS-Dokumentationszentrum“, sagt die Richterin. Von der Anklagebank zischt der Adressat zurück: „Da können Sie Gift drauf nehmen.“ Er muss neun Monate ins Jugendgefängnis, weil er zwei Monate vorher einen der Verurteilten ermuntert hatte, einen Flüchtling vor einem Supermarkt zu verprügeln.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die jungen Männer Haftstrafen ohne Bewährung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Mit zwei Tagen im Krankenhaus, einem Meniskusschaden und Bänderriss im Knie sowie Verdacht auf Gehirnerschütterung sei der bewusstlos geprügelte Flüchtling nur durch Glück noch glimpflich davongekommen.

Das Gericht hält den Gewalttätern zugute, dass sie bis dahin strafrechtlich wenig aufgefallen sind. Beim Jugendamt waren sie aber bekannt: Ihre Eltern sind teilweise geschieden, einige waren jahrelang im Heim, die Jugendgerichtshilfe sieht alle als Mitläufer der rechten Szene.

Ein Schulverweigerer ist darunter, der die letzten drei Pflichtjahre nicht mehr erschienen war. Einer arbeitet als Paketzusteller. Einer hat eine Arbeitsmaßnahme geschmissen und möchte Security-Mann werden. Die Angreifer von der Haltestelle müssen sich nun Jobs suchen, mit denen sie das Schmerzensgeld für die Opfer bezahlen können. Auch das ist eine Auflage, damit sie nicht doch noch hinter Gitter müssen.

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