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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Trauer um Vater der Karl-May-Melodien

23.04.2019

Rendsburg Ohne seine Musik wären Winnetou und Old Shatterhand wohl nur als halb so erfolgreiche Blutsbrüder in die Filmgeschichte eingegangen. Denn in den Kinofilmen der 1960er Jahre spielte – neben Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand – seine Musik die Hauptrolle. Mit 91 Jahren ist der Filmkomponist Martin Böttcher in der Nacht zum Samstag gestorben, wie seine Tochter Betsy Schlüter am Montag bestätigte. Zunächst hatte der Bayerische Rundfunk über den Tod des zuletzt in der Nähe von Rendsburg (Schleswig-Holstein) lebenden Künstlers berichtet.

Zehn Karl-May-Streifen untermalte Böttcher mit seiner Musik für die Leinwand. Der Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters wurde zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Deutschlands. 1962 führte seine „Old Shatterhand“-Melodie 17 Wochen lang die deutschen Charts an.

Gelesen hat er dennoch kein einziges Karl-May-Buch, wie er vor knapp zwei Jahren zu seinem 90. Geburtstag sagte. „Auch wenn Moderator Frank Elstner mir mal extra den „Schatz im Silbersee“ geschenkt hat. Aber ich habe die Geschichten so oft gesehen, da brauchte ich sie nicht zu lesen.“

Ehrenhäuptling wurde er auch so: Die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg verliehen ihm den Häuptlingsnamen „Großer Vater der Melodien“. Wenn Apachenhäuptling Winnetou dort in das Freilichttheater am Kalkberg einritt, dann nicht ohne die berühmte Filmmelodie. Auch für einen RTL-Dreiteiler rund um den Winnetou-Mythos wurde im Jahr 2016 teilweise auf Böttchers Thema zurückgegriffen.

Sein Debüt als Komponist bei einer Spielfilm-Produktion gab Böttcher, der am 17. Juni 1927 in Berlin geboren wurde, 1955 in „Der Hauptmann und sein Held“. Schon der zweite Film wurde ein großer Erfolg: „Die Halbstarken“ (1956) mit Horst Buchholz. Unermüdlich vertonte der Musiker danach immer neue Geschichten zunächst für das Kino, später vor allem für das Fernsehen. „13 kleine Esel“ mit Hans Albers und Heinz Rühmanns „Pater Brown“-Filme gehörten ebenso dazu wie Edgar Wallace-Filme und zuletzt „Pfarrer Braun“ (bis 2013).

Böttcher schrieb und schrieb – das blieb auch für seine Gesundheit nicht ohne Folgen. „Mit 35 und mit 37 war ich schon mal kurz vorm Herzinfarkt“, erzählte er 2017. „Wir sind dann in die Schweiz gezogen, ich habe meinen Lebenswandel geändert – das hat geholfen.“ Seit einigen Jahren lebte Böttcher mit seiner Frau wieder im Norden, in Westerrönfeld bei Rendsburg.

Den Weg nach Hollywood ging er nicht, doch es gab Melodien zu Hollywood-Erfolgen, um die er Kollegen beneidete. „Die Stücke von Henry Mancini zum Beispiel, der unter anderem für „Frühstück bei Tiffany“ komponiert hat. Und natürlich Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“.“

Jazz-Gitarrist Böttcher, der seit einem Sturz als Kind auf einem Ohr nichts mehr hörte, hatte sich während des Krieges in der Gefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks anfing.

1954 entschied er, der eigentlich Pilot war, sich endgültig fürs Komponieren. Als „Meister großartiger Filmmusiken, die zeitlos sind“, würdigte ihn 2016 die Jury des Deutschen Musikautorenpreises, als sie ihn für sein Lebenswerk auszeichnete. „Seine Musik geht direkt ins Herz.“

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