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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Eltern-Patrouille kontrolliert Teenager

03.08.2019

Reykjavik Punkt 22 Uhr am Freitagabend tritt auf dem Spielplatz in Reykjavik die „Eltern-Patrouille“ auf den Plan. Die Jugendlichen dort drehen ihre Musik leiser und schauen auf ihren Handys nach der Uhrzeit: Die Sperrstunde beginnt. Quer durch die isländische Hauptstadt ziehen jedes Wochenende Eltern abends los, um in ihren Vierteln die Treffpunkte von Teenagern zu kontrollieren.

Die zweistündigen Streifzüge gehören zu einem Bündel von Maßnahmen, mit dem Island erfolgreich gegen Alkoholkonsum unter Jugendlichen vorgeht. Im Mittelpunkt stehen die Beteiligung lokaler Akteure und das Werben für sportliche und musikalische Aktivitäten für Schüler. Auf diesem Wege gelang es dem Inselstaat im Nordatlantik, einer Jugendkultur aus Trinken und Rauchen ein Ende zu setzen. Heute haben die isländischen Jugendlichen eine der niedrigsten Raten von Alkohol- und Drogenmissbrauch europaweit.

Die Entwicklung stößt international auf Interesse. Das Isländische Zentrum für Sozialforschung und Analyse, das das Projekt seit 20 Jahren leitet, berät nach eigenen Angaben 100 Gemeinden in 23 Staaten von Finnland bis Chile in Fragen des Alkoholmissbrauchs von Jugendlichen.

„Der Schlüssel zum Erfolg ist es, gesunde Gemeinden zu schaffen und dadurch gesunde Individuen zu bekommen“, erklärt die Soziologieprofessorin Inga Dora Sigfusdottir. Sie hat das Präventionsprogramm „Jugend von Island“ gegründet, das nun in „Planet Jugend“ umbenannt wurde. Das Geheimnis sei, junge Leute zu beschäftigen und die Eltern einzubinden, ohne viel über Drogen oder Alkohol zu sprechen, sagt die Expertin.

Dieses Vorgehen steht in scharfem Kontrast zu anderen Anti-Missbrauchsprogrammen, die Schüler über Vorträge und abschreckende Bilder von Raucherlungen beeinflussen wollen. „Teenagern zu sagen, dass sie keine Drogen nehmen sollen, kann nach hinten losgehen und sie stattdessen neugierig machen“, sagt Sigfusdottir.

Noch vor 20 Jahren hatte das Land ein massives Problem mit saufenden Jugendlichen. Jedes Wochenende versammelten sich in Reykjavik Tausende im Stadtzentrum. Umfragen zufolge tranken damals 56 Prozent aller 16-Jährigen Alkohol, etwa genauso viele hatten Rauchen ausprobiert.

Europaweit haben heutzutage im Durchschnitt 80 Prozent der 16-Jährigen mindestens einmal Alkohol getrunken, im Vergleich zu 35 Prozent in Island. Es ist das einzige Land, in dem mehr als die Hälfte der Schüler in dieser Altersgruppe noch gar keine Erfahrung mit Alkohol gemacht hat. Am höchsten sind die Raten dagegen mit 92 bis 96 Prozent in Dänemark, Griechenland, Ungarn und Tschechien.

Auch in den USA ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen ein besonderes Problem. Denn viele Minderjährige fahren bereits Auto und können anders als ihre Altersgenossen in Europa meist nicht auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen.

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