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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Stromboli lässt Lavabrocken regnen

05.07.2019

Rom /Ginostra Dass sie auf einem Pulverfass leben, wissen die Bewohner von Stromboli. Nur wenige Hundert sind es, die an einem der aktivsten Vulkane der Welt das ganze Jahr über wohnen. Erst im Sommer beginnt auf der gleichnamigen kleinen Insel vor der sizilianischen Küste der große Rummel. Dann kommen Touristen aus aller Welt, um sich an den schwarzen Lavastränden zu sonnen. Am Mittwochnachmittag durchschnitten zwei laute Explosionen das Sommeridyll. Wie ein Kanonendonner kam es von dem gut 900 Meter hohen Feuerberg herab.

Eine zwei Kilometer hohe Aschesäule stieg in den Himmel, bevor der Rauch die Insel und das Meer verdunkelte. Glühende Lavabrocken fielen wie Feuerregen zu Boden, erzählten Augenzeugen. Besonders der kleine Ort Ginostra war betroffen. Dort in der Nähe starb ein sizilianischer Wanderer, der mit einem Begleiter eine Exkursion zum Vulkan machen wollte.

„Die Menschen haben Schutz in ihren Häusern gesucht oder sind ins Meer gesprungen, um sich vor Lavasteinen zu schützen“, erzählte der Taxifahrer Gianluca Ioppolo, der seit 20 Jahren auf Stromboli lebt, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe die Menschen aufgerufen, in höhere Lagen zu laufen – falls Gestein ins Wasser rutscht und einen Tsunami auslöst. Im Hintergrund eines Videos, das er gedreht hat, hört man Kinder und Frauen in Angst.

Auf Stromboli sind die Erinnerungen noch wach an den Tsunami von 2002. Damals rutschte nach einem Ausbruch ein Felshang vom Kegel des Hauptkraters ins Meer und löste eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle aus, die auch die Nachbarinseln Lipari und Panarea erfasste. Wie durch ein Wunder wurden dabei nur wenige Menschen verletzt. Die Behörden ließen Stromboli für mehr als zwei Monate evakuieren. Auch 2007 gab es einen großen Ausbruch.

Der Ätna auf Sizilien ist ebenfalls äußerst aktiv und macht immer wieder mit spektakulären Ausbrüchen von sich reden. Im Gegensatz zum Vesuv bei Neapel schläft der Stromboli nicht. Wie der Ätna spuckt er ständig Asche und Rauch und wird bestens überwacht. Wer auf der Insel ist, hört es ständig grummeln. Besteigen darf man den Vulkan nur noch mit Führer. Am Mittwoch war zum Glück keine Gruppe am Krater.

„Ich bin geschockt. Als ich die zwei Explosionen gehört habe, dachte ich an Pompeji und den Ausbruch des Vesuvs“, erzählte die Touristin Elisabetta aus Neapel der Nachrichtenagentur Adnkronos und macht den Vergleich mit dem verheerende Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr., der den Ort Pompeji verschüttete. „Um mich herum ein Meer aus Steinen, Lavasteinen, Asche und ganz, ganz viel Rauch. Man sah nichts mehr. Der Himmel, das Meer sind schwarz geworden.“

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