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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Leinwandgöttin feiert 85. Geburtstag

20.09.2019

Rom Das sah gar nicht gut aus bei den Probeaufnahmen: Die Nase zu lang, der Mund zu groß, das Kinn zu klein und eigentlich gar nicht fotogen, befand ein Kameramann, als er vor knapp 70 Jahren die junge Sofia Scicolone vor die Linse bekam.

Millionen Fans in aller Welt sahen das bald anders. Als Sophia Loren wurde das Mädchen aus Neapel zum Weltstar. Sexsymbol und Mutterfigur in einem, stieg sie zur Leinwandgöttin auf und wurde zur „Mamma Nazionale“ der Italiener. An diesem Freitag wird „La Loren“ 85 Jahre alt.

Sofia wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Großraum Neapel auf. Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg verbrachte sie die Nächte im Eisenbahntunnel und hatte seither Angst im Dunkeln. Im konservativen Italien litt sie unter dem Makel ihrer unehelichen Geburt. Die alleinerziehende ehrgeizige Mutter wollte die attraktive, 1,74 Meter große Tochter beim Film unterbringen und ließ Sofia schon früh bei lokalen Schönheitswettbewerben defilieren. 1950 bekam sie eine Statistenrolle im in Rom gedrehten Sandalenfilm „Quo vadis?“ und wurde Zweite bei der Wahl zur „Miss Rom“. Dabei wurde Filmproduzent Carlo Ponti (1912– 2007) auf sie aufmerksam, und ihr Leben nahm die entscheidende Wende.

Der fast 22 Jahre ältere – und einen Kopf kleinere – Ponti wurde zum Mann ihres Lebens, zum Wegbereiter ihrer Karriere und auch zum Vaterersatz. Aus Sofia Scicolone wurde Sophia Loren. In dem Film „Das Gold von Neapel“ hatte sie 1954 unter Regisseur Vittorio De Sica ihre erste bedeutende Filmrolle, sie spielte eine Pizzabäckerin. Der Durchbruch gelang ihr 1958 mit der US-Filmkomödie „Hausboot“ an der Seite von Cary Grant (1904–1986). Auch persönlich verstanden sich die beiden gut, Grant – noch ein paar Jahre älter als Ponti – machte der Loren sogar einen Heiratsantrag. Da war sie aber schon vermählt, eigentlich.

Schon im September 1957 hatte Loren Ponti geheiratet, der sich zuvor von seiner ersten Frau Giuliana Fiastri einvernehmlich hatte scheiden lassen – im Ausland versteht sich, denn Scheidungen waren in Italien damals rechtlich gar nicht möglich. Ponti wurde daheim der Bigamie bezichtigt, die Ehe 1962 annulliert. 1966 nahmen beide die französische Staatsbürgerschaft an und heirateten nun ordnungsgemäß in Sèvres bei Paris. Innerlich blieb Loren stets Italienerin – beziehungsweise Neapolitanerin, wie sie einmal sagte.

Einen ersten Oscar erhielt Sophia Loren für ihre Hauptrolle in Vittorio De Sicas Spielfilm „Und dennoch leben sie“ (1960). Mit ihrem Äußeren machte die hochgewachsene und oft tiefdekolletierte Diva auch im Alter noch Schlagzeilen, so als sie sich 2007 für den Pirelli-Kalender ablichten ließ. Zu ihren unangenehmsten Lebenserfahrungen zählen die 18 Tage, die sie 1982 wegen Steuerhinterziehung im Frauengefängnis bei Neapel verbringen musste.

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