ROM - Der Zusammenstoß geschah am Morgen. Der Zugführer durfte trotz Haltesignals fahren.

Von Carola Frentzen

ROM - Beim Zusammenstoß zweier U-Bahnen in einer Metro-Station von Rom sind gestern eine Frau ums Leben gekommen und 110 Passagiere verletzt worden. Ein mit Pendlern besetzter Zug der Linie A war im morgendlichen Berufsverkehr im Bahnhof „Vittorio Emanuele“ mit hoher Geschwindigkeit auf einen haltenden Zug gerast. Ersten Ermittlungen zufolge war dem Zugführer kurz zuvor vom Kontrollzentrum ausdrücklich erlaubt worden, trotz eines Haltesignals die Fahrt mit geringer Geschwindigkeit fortzusetzen. „Ich sah ein rotes Warnsignal. Doch wir

fuhren sehr schnell in den Bahnhof ein“, berichtete ein Augenzeuge. Es war das schwerste U-Bahn-Unglück in Italiens Hauptstadt seit vielen Jahren.

Erst am Morgen hatte die Zeitung „La Repubblica“ über die schlechte Sicherheit der beiden römischen U-Bahn-Linien berichtet. Demnach seien viele Züge seit 25 Jahren nicht gründlich kontrolliert worden. Ein Experte riet dringend zu einer eingehenden Sicherheitsprüfung.

Am Unfallort in der Innenstadt herrschte ein Bild des Grauens: Viele Passagiere konnten sich blutüberströmt ins Freie retten. „Plötzlich hörten wir verzweifelte Schreie, und eine Menschenmasse strömte aus der Metro-Station“, erzählte die Besitzerin eines Schuhgeschäfts.

Die orangefarbenen Züge hatten sich bei der heftigen Kollision ineinander verkeilt. Der Feuerwehr gelang es dennoch rasch, eingeklemmte Passagiere zu befreien. „Als ich die Augen wieder öffnete, waren überall Verletzte und Blut – und viele weinten“, berichtete eine Passagierin.

Bürgermeister Walter Veltroni eilte an den Unfallort. Er meinte, alle Notfallsysteme hätten perfekt funktioniert. So hätten sich die Türen der beiden Züge nach dem Unfall automatisch geöffnet.

„Beim Aufprall sind wir alle auf den Boden gefallen, und die Wand brach ein“, sagte eine weinende Frau, die sich an den Beinen verletzt hatte. „Andere wurden ohnmächtig, als sie die blutenden Passagiere sahen“, berichtete ein Feuerwehrmann. Die Behörden eröffneten ein Ermittlungsverfahren.

Rom verfügt über zwei Metro-Linien, die sich in der Stazione Termini im Zentrum kreuzen. Im Gegensatz zu Bussen, die oft im Verkehr stecken bleiben, gilt die „Metropolitana“ als verlässlich.