Rom - Manchmal wird die Fiktion von der Realität eingeholt. In der Netflix-Produktion „Die zwei Päpste“ belauern sich Benedikt XVI., dargestellt von Anthony Hopkins, und der spätere Papst Franziskus, verkörpert von Jonathan Pryce. Es sind zwei Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Hier der menschenscheue Intellektuelle aus Deutschland, der sich beim Klavierspiel und der Schäferhundserie „Kommissar Rex“ entspannt. Dort der joviale Argentinier, der Fußball und Tango liebt. Manch ein Zuschauer mag sich gefragt haben, ob der Film nicht zur Papst-Posse abgleitet. Doch der Konflikt, der sich derzeit zwischen den beiden realen Männern in Weiß entfaltet, stellt das Filmdrama nahezu in den Schatten.
Der pensionierte Papst kann einfach nicht davon lassen, seine Meinung zu heiklen Themen kundzutun. Noch bevor der aktuelle Pontifex, 83 Jahre alt, seine Worte zum Streitthema Zölibat den 1,3 Milliarden Katholiken der Welt in einem sogenannten postsynodalen Schreiben verkünden kann, kommt ihm sein 92 Jahre alter Vorgänger zuvor und warnt vor einer Priesterweihe von Verheirateten. Ein Affront.
Eine kuriose Wendung nahm das Drama am Dienstag. Da zog Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein die Notbremse: Der Ex-Papst habe gar nicht als Co-Autor des Buches „Des profondeurs de nos cœurs“ („Aus den Tiefen unserer Herzen“) auftreten wollen. Folglich wolle er sein Bild auf dem Titel und seine Unterschrift in Einleitung und Nachwort entfernt sehen. Es sei alles ein „Missverständnis“, beteuert Gänswein. Allerdings habe der emeritierte Papst tatsächlich den Text über den Zölibat verfasst. Nur über die Aufmachung sei er sich nicht im Klaren gewesen. Inhaltlich gibt es also keine Änderungen.
Es ist für alle Beteiligten ein PR-GAU. Im Mittelpunkt steht der konservative Kardinal Robert Sarah, im Vatikan seit Längerem als Gegner von Franziskus bekannt. Der Präfekt der Gottesdienstkongregation hat das Buch verfasst, das am Mittwoch erscheinen soll. Nun wehrt er sich gegen den Vorwurf, den greisen Benedikt für seine Zwecke eingespannt zu haben. Um das zu belegen, twittert er Briefe von Benedikt, die zeigen, dass dieser durchaus von einer geplanten Veröffentlichung wusste. Sarah spricht von „Lügen“ und „Verleumdung“. Der Skandal zeigt, wie sehr Intrigen die Arbeit von Franziskus untergraben und welchen Widerstand es von konservativen Kirchenmännern gibt.
