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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Die meisten Totenscheine sind fehlerhaft

02.09.2017

Rostock Totenscheine sind nach einer Studie der Universitätsmedizin Rostock zumeist fehlerhaft. Bei 10.000 von ihr untersuchten Bescheinigungen seien nur 223 tadellos gewesen, gab das Institut für Rechtsmedizin der Universität am Freitag bekannt. Es hatte für die Studie Totenscheine aus dem Einzugsgebiet des Krematoriums Rostock zwischen August 2012 und Mai 2015 untersucht.

Jeder vierte dieser Scheine habe mindestens einen schwerwiegenden Fehler aufgewiesen, so die Universitätsmedizin. So seien die genauen Zusammenhänge bei der Todesursache nicht aufgeführt oder der Leichenschauarzt nicht erreichbar gewesen, weil Angaben zu seiner Person gefehlt hätten. Auch seien sichere Todeszeichen nicht vermerkt worden. Überdies habe die Studie ergeben, dass mehr als jeder zweite Arzt mindestens vier leichte Fehler pro Todesbescheinigung gemacht habe.

Als Gründe führte der Rostocker Rechtsmediziner Fred Zack an, dass die Leichenschau für viele Ärzte ein „notwendiges Übel“ und unbeliebt sei. Bei der Ausstellung eines Todesscheines müssten zudem mehrere Gesetze und Vorschriften beachtet werden, etwa das Bestattungsgesetz, die Definition des unnatürlichen Todes in der Strafprozessordnung sowie das Infektionsschutzgesetz.

Von Bedeutung ist der Totenschein, weil eine Leiche nur bei einem natürlichen Tod und bei bekannter Identität ohne Ermittlungen bestattet werden darf. Bei einem nicht natürlichen oder ungeklärten Tod sowie bei einem unbekannten Toten sind Polizei und Staatsanwaltschaft gefordert, die Identität des Verstorbenen und ein mögliches Fremdverschulden zu klären.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnete die Studie als „einen Weckruf für Bund und Länder“. Mit nachlässigen Leichenschauen werde es nicht gelingen, Behandlungsfehler, Körperverletzungen und Tötungen aufzudecken, sagte Vorstand Eugen Brysch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Blick auch auf die Mordserie des Krankenpflegers Niels H. in Niedersachsen. „So machen wir es Tätern zu leicht.“

Brysch appellierte an die Justiz- und Gesundheitsminister von Bund und Ländern, in allen 2.000 Krankenhäusern und 13.000 Pflegeheimen amtsärztliche Leichenschauen gesetzlich vorzuschreiben. „Wenn heute nur bei maximal drei Prozent der Verstorbenen die Totenbescheinigung durch eine amtliche Leichenschau überprüft wird, kann nicht von Patientenschutz geredet werden.“ Bisher seien von Seiten des Bundes und der Länder nur unverbindliche Allgemeinplätze zu hören.

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