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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Illegale Autorennen: Rücksicht? Fehlanzeige! – Prozess zu tödlichem Unfall in Köln

11.01.2016

Köln Sie bringen ihre dicken Karren auf Hochtouren und rasen um die Wette durch die Innenstadt - ohne Rücksicht auf Leib und Leben Unbeteiligter: Nach mindestens zwei tödlichen Unfällen durch illegale Autorennen in Köln im vergangenen Jahr beginnen demnächst die Gerichtsprozesse gegen mehrere mutmaßliche junge Raser wegen fahrlässiger Tötung. Der erste Fall wird an diesem Dienstag (12. Januar) vor dem Kölner Amtsgericht verhandelt.

Angeklagt sind zwei junge Männer, die bei einem Rennen Ende März 2015 mit bis zu 115 Kilometern pro Stunde durch die Innenstadt gerast sein sollen. Einer der Fahrer - beide waren damals 20 Jahre alt - soll über eine rote Ampel gefahren und mit einem Taxi zusammengestoßen sein. Ein Taxi-Fahrgast erleidet so schwere Kopfverletzungen, dass er später daran stirbt.

Fall zwei: Im April kommt eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben, als sie auf dem Radweg vom Wagen eines Rasers erfasst wird. Die Frau hatte keine Chance. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen verloren, als er bei einem Rennen seinen Kontrahenten überholte. Der Prozess gegen zwei Angeklagte beginnt im Februar.

Als Folge der Raser-Unfälle gründete die Kölner Polizei im Mai eine Ermittlungsgruppe, um die Szene stärker ins Visier zu nehmen. Die „EG Rennen“ habe seitdem bei rund 76 000 Fahrzeugen Tempo-Kontrollen durchgeführt und 9300 Temposünder erwischt, berichtet Polizeisprecher Dirk Weber. Mehr als 100 Autos wurden stillgelegt, weil sie so aufgemotzt waren, dass sie als verkehrsuntauglich galten. Die Stadt Köln installierte an bekannten Raser-Strecken zusätzliche Starenkästen, baute Schwellen in einige Straßen und startete eine Plakataktion. „Es ist ein Kampf mit kleinen Schritten“, meint Weber.

Illegale Rennen gibt es immer wieder in ganz Deutschland. Erst am Donnerstag kam in Ludwigshafen eine junge Frau ums Leben: Die 22-Jährige saß in einem Auto, dessen Fahrer sich nach Polizeiangaben mutmaßlich ein Rennen mit einem anderen Wagen geliefert hatte.

Generell unterscheiden Fachleute zwischen zwei Arten von Rennen: Zum einen spontane Aktionen wie vermutlich in Ludwigshafen. Sie verlaufen oft so, dass zwei Fahrer an einer roten Ampel Blickkontakt aufnehmen und bei Grün losdüsen - wer zuerst die nächste Ampel erreicht, hat gewonnen. Das andere sind organisierte Veranstaltungen mit festgelegtem Start- und Zielort.

Teilnehmer sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren mit PS-starken Autos. „Da geht es um Imponiergehabe und Angeberei“, sagt Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen.

Der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen, Karl-Friedrich Voss, sieht das Motiv der Beteiligten überwiegend in mangelndem Selbstbewusstsein. Häufig hätten die Raser in anderen Lebensbereichen wie Beruf und Familie wenig Erfolg. „Das wollen sie dann mit dem Auto kompensieren“, erläutert Voss.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) spricht sich für eine PS-Obergrenze für Fahranfänger aus, wie sie sich auch bei Motorrädern bewährt habe. „Das könnte diejenigen bremsen, die sich in jungen Jahren mit wenig Fahrerfahrung solche PS-Boliden leisten oder leihen können“, sagt Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen.

Der ADAC will lieber bei der Fahrausbildung ansetzen. Junge Fahrer sollten auch über die Führerscheinprüfung hinaus betreut werden, etwa durch Sicherheitstrainings oder verkehrspsychologische Seminare. In Österreich und der Schweiz zum Beispiel habe sich eine Verlängerung der Fahrausbildung positiv ausgewirkt.

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