Santa Rosa - Starker Wind durchkreuzt in Kalifornien immer wieder die Versuche der Feuerwehr, die seit Tagen anhaltenden Waldbrände im Land einzudämmen. Gouverneur Gavin Newsom rief den Notstand aus, 200 000 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen und 1,2 Millionen Menschen wurde als Maßnahme gegen eine weitere Ausbreitung der Flammen der Strom abgestellt. Am Montagmorgen brach ein Feuer am Sepulveda-Pass im Westen von Los Angeles aus, über den die wichtige Autobahn Interstate 405 durch das Santa-Monica-Gebirge führt.
Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, sagte, von dem auf 160 Hektar lodernden Feuer seien auch Häuser erfasst worden. Zunächst habe es aber keine schweren Schäden gegeben. Bedroht von einem weiteren Feuer waren in dem Gebiet, in dem sich auch das Kunstmuseum The Getty Center befindet, Mountain Gate, Mandeville Canyon und Bundy. Das „Getty“ sei vorerst nicht in direkter Gefahr, sagte Feuerwehrsprecher Eric Scott.
Die Bedingungen in ganz Kalifornien seien wie in einem Zunderfass, sagte ein Sprecher der Forst- und Feuerschutzbehörde des Staates, Jonathan Cox. In 43 der 58 kalifornischen Landkreise gelte die höchste Feueralarmstufe.
Newsom rief den Notstand am Sonntag aus. Böen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 60 Kilometer pro Stunde fachten die Feuer immer wieder an. Im Kreis Sonoma fielen dem seit Mittwoch wütenden „Kincade-Feuer“ bis Sonntag 94 Gebäude zum Opfer. 80 000 Gebäude waren nach Angaben der Behörden am Abend in Gefahr, von den Flammen erfasst zu werden.
Die Feuer brachen in nach ungewöhnlich heißem Wetter knochentrockener Vegetation aus. Räumungsanordnungen umfassten Teile der Stadt Santa Rosa, die schon vor zwei Jahren von einem Waldbrand verwüstet wurde. „Dies ist die größte Evakuierung, an die sich irgendjemand von uns erinnern kann“, teilte das Sheriffbüro von Sonoma County bei Twitter mit.
„Passt aufeinander auf.“ Einige Bewohner wurden mitten in der Nacht angewiesen, zu packen und die Gegend zu verlassen.
Das „Kincade Fire“ war am Sonntag nur noch zu fünf Prozent unter Kontrolle, nachdem es zuvor zehn Prozent gewesen waren, wie die kalifornische Forstbehörde mitteilte. Der Wind könnte zu „unberechenbarem Feuerverhalten“ führen, warnte die Behörde Cal Fire.
Die extremen Bedingungen kosteten eine Frau das Leben. Sie wurde bei starkem Wind am Sonntagmorgen im Park Pogonip in Santa Cruz von einem herabgefallenen Baum erschlagen, wie die Behörden mitteilten. Ein Mann trug dabei Verletzungen davon. Beamte fanden die beiden in einem abgelegenen Teil des Parks, wie ein Polizeisprecher sagte. In der Kleinstadt Martinez wurden sechs Menschen verletzt, als ein neun Meter hoher Baum umstürzte.
In der Region San Francisco stoppten Grasfeuer vorübergehend den Verkehr auf einer Autobahnbrücke. Ein weiteres bei Sacramento behinderte Fahrer wegen hoher Rauchentwicklung. Stromversorger PG&E teilte mit, von Stromausfällen seien rund 940 000 Häuser und Geschäfte in 36 Bezirken für 48 Stunden oder länger betroffen.
