SCHLIERSEE/MüNCHEN - Bruno starb im Morgengrauen. Naturschützer reagierten empört auf den Abschuss. Einige Politiker zeigten sich erleichtert.

Von Sabine Dobel

SCHLIERSEE/MÜNCHEN - Bruno ist tot. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht. Internationale Medien wie BBC und CNN berichteten im Internet über den Abschuss. Bei einem eilends im weltweiten Netz eingerichteten Kondolenzbuch brach unter dem Ansturm zeitweise der Server zusammen, gegen den – unbekannten – Schützen gingen Morddrohungen ein. Auch gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU). Die bayerische SPD forderte seinen Rücktritt.

Mit seinen Eskapaden hatte Bruno alle Sympathien auf sich gezogen, Wetten wurden auf ihn abgeschlossen, ein Lied auf ihn geschrieben, und nun soll sogar ein Film über ihn gedreht werden. Bruno war der Medienstar des Frühsommers. Gestern wurde er im bayerischen Spitzingseegebiet erschossen. Fünf Wochen lang hatte der Bär aus dem italienischen Trentino die Behörden in Bayern und Tirol (Österreich) auf Trab gehalten.

Um 4.50 Uhr wurde Brunos Leben aus rund 150 Metern Entfernung auf der Rotwand im Gemeindegebiet von Schliersee beendet. Natur- und Tierschutzorganisationen reagierten mit Bestürzung und scharfer Kritik. „Das ist die dümmste aller Lösungen“, sagte Präsident Hubert Weinzierl vom Deutschen Naturschutzring. Präsident Fulco Pratesi von der Umweltorganisation WWF Italien sprach von einem „Akt der Barbarei“. Auf internationaler Ebene kämpfe man für den Schutz bedrohter Arten, schaffe es aber nicht, mit dem ersten Bären in Deutschland klarzukommen, kritisierte Präsident

Olaf Tschimpke vom deutschen Naturschutzbund Nabu.

Das Tier sei schmerzlos erlegt worden, berichtete Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard (CSU). „Er war sofort tot.“ Bernhard rechtfertigte den Abschuss mit „Drohgebärden gegenüber Wanderern“; Bruno habe sich in voller Größe auf die Hinterbeine aufgerichtet. „Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes war deutlich gestiegen“, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

Der Bär mit dem offiziellen Namen JJ1 hatte seit seinem Auftreten im deutsch-österreichischen Grenzgebiet an die 35 Schafe gerissen, zahlreiches Federvieh gefressen sowie Bienenstöcke aufgebrochen. Weil er immer wieder in teils dicht besiedeltes Gebiet eindrang, galt er als „Problembär“. Der zweiwöchige Versuch finnischer Bärenjäger, den Zweijährigen lebend zu fangen, misslang. Nach seiner genetischen Untersuchung soll Bruno nun präpariert und im Münchner Museum „Mensch und Natur“ ausgestellt werden.

Der Tiroler Landesrat Anton Steixner, der den

Bären – wie Bayern – zum Abschuss freigegeben hatte, reagierte erleichtert: „Ich bin froh, dass das Thema erledigt ist.“ Nach Einschätzung der österreichischen Sektion der internationalen Naturstiftung WWF war die Tötung von Bruno gerechtfertigt: „Bruno war nach unserer Einschätzung bereits ein Risikobär.“