Stuttgart - In den 60er Jahren waren Miniröcke ein Aufregerthema, heute sind es die Hotpants: Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung für den Unterricht. In Horb am Neckar hat nun eine Werkrealschule in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.
Fragt sich nur, für wen aufreizend und warum: Die Antwort gibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.“ Damit sei die Ablenkung vom Unterricht programmiert. Überdies sei die Schule ja kein Laufsteg. Appelle für weniger luftige Bekleidung seien für Lehrer aber heikel, weil manche Eltern auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochten.
Auch die Horber Schule rechnet wohl mit Elternkritik, denn in dem Brief heißt es: „Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes.“ Vielmehr solle die Regelung beitragen zu einem „gesunden Schulklima, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gefördert werden“.
In den Sozialen Netzwerken hat die Horber Schulleiterin Bianca Brissaud einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Initiatorin der Twitterkampagne „Aufschrei“, Anne Wizorek, prägte den Hashtag #hotpantsverbot, unter dem sich Nutzer empören. Wizorek schrieb: „#hotpantsverbot zielt bei durchschnittlichen 30° allein auf mädchenkleidung ab. so viel zu gesellschaftlichen werten...“
Ähnlich argumentiert der Schülerbeirat Baden-Württemberg. Ein Pauschalverbot sei der falsche Weg, meint Vize-Chef Felix Walz. Denn: „Hier werden Jungs unter sexistischen Generalverdacht gestellt und ein falsches Rollenbild vermittelt.“
