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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Schweizer „verpacken“ Gletscher

11.05.2005

ANDERMATT „Wie bei Christo“, lauten erste Kommentare. Das Vorhaben soll den Wintersport sichern.

Von Heinz-Peter Dietrich ANDERMATT - Mit einer „Frischhaltefolie“ wollen die Schweizer ihre Gletscher vor dem Abschmelzen bewahren. Rund 2500 Quadratmeter Spezial-Vlies wurden am Dienstag auf einem Teil des Gurschengletschers im Skiort Andermatt verlegt. Nun bedecken sie in fast 3000 Metern Höhe eine Ski-Abfahrtsrampe, Felspartien und Firn.

Besonders im heißen Sommer 2003 waren erhebliche Teile des Gletschers weggeschmolzen und hatten unter anderem die Sportbedingungen verändert.

„Die Klimakatastrophe hat nun auch einen der reichsten Orte der Schweiz erreicht“, kommentierte Martin Hiller von der Umweltstiftung World Wildlife Fund (WWF). Der WWF sei „im Geiste bei den Andermattern“, da diese nun wie die Menschen in Asien oder anderen armen Regionen der Welt am eigenen Leib die Folgen der vom Menschen verursachten Klimaveränderung zu spüren bekämen. Die Schweizer Gletscher erstreckten sich im Jahr 2000 über rund 1050 Quadratkilometer. Zum Vergleich: 1850 betrug die Gletscherfläche noch 1800 Quadratkilometer.

Am Morgen wurde die weiße und 3,8 Millimeter dicke Folie aus Polyester und Polypropylen über die Piste gelegt. Männer in Spezialkleidung zogen die Bahnen über den Schnee, so dass sie kaum noch zu erkennen waren. „Wie bei (dem Verpackungskünstler) Christo“, meinten Zuschauer. Die Folie soll die Schmelze aufhalten. Die in der Schweiz hergestellte Spezialabdeckung aus PVC-Schaum kostet rund 100 000 Franken (64 000 Euro).

Der Nutzen der Abdeckung ist nach Ansicht des Gletscherfachmanns Martin Funk unbestritten. „Die Folie reflektiert fast sämtliche einfallende Strahlung. Das reduziert den Schmelzvorgang stark“, sagte der Eisforscher.

Die Schweizer begründen die Abdeckung damit, dass sich der Gurschengletscher am 2961 Meter hohen Gemsstock in den vergangenen 15 Jahren um 20 Meter abgesenkt habe. Die Folie soll im Herbst wieder abgebaut und im nächsten Sommer wieder eingesetzt werden.

Für die Umweltschutzorganisationen ist dies alles keine Lösung. „Das absurde Projekt Gletscherfrischhaltefolie führt die Hilflosigkeit im adäquaten Umgang mit dem Klimawandel drastisch vor Augen“, kritisierte Alexander Hauri, Klimaexperte bei Greenpeace Schweiz.

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