SCHWERIN - Die nach extremer Vernachlässigung gestorbene fünfjährige Lea-Sophie aus Schwerin ist schon im Jahr 2004 auffällig geworden. Sie habe damals ohne Abmeldung wochenlang in der Kindertagesstätte gefehlt, heißt es in einem Zwischenbericht der Stadtverwaltung zu dem Fall. Die Kita habe dies dokumentiert. Die Unterlagen seien jedoch nicht ans Jugendamt gegangen.
Lea-Sophie war Mitte November verhungert und verdurstet. Dem Jugendamt wird vorgeworfen, es sei trotz früherer Hinweise auf Vernachlässigung des Mädchens nicht eingeschritten.
Als Lea-Sophie schließlich sechs Wochen lang nicht mehr in die Kita kam, schrieb die Leiterin die Mutter an, erhielt jedoch keine Antwort. Der Kita-Platz wurde daraufhin neu vergeben. Das Jugendamt erfuhr davon im November 2006, als Lea-Sophies Großvater, der sich Sorgen um das Mädchen machte, im Jugendamt vorstellig wurde. Dem Bericht zufolge gab er an, Lea-Sophie sei in ihrer körperlichen und sprachlichen Entwicklung gestört.
Das Jugendamt schrieb zweimal die Mutter an und lud sie zu Gesprächen, zu denen sie jeweils nicht erschien. „Weitere Veranlassungen durch das Jugendamt wurden nicht durchgeführt“, heißt es in dem Bericht.
Nach Einschätzung des Fraktionschefs der Grünen in der Schweriner Stadtvertretung, Edmund Haferbeck, hätten die Auffälligkeiten 2004 und die wiederholten Kontakte Ende 2006 für das Jugendamt ausreichende Hinweise auf eine Gefährdung sein müssen. Zudem fehle ein wesentlicher Vermerk in der Akte Lea-Sophie: Die Großmutter des Mädchens, die selbst in der Stadtverwaltung arbeite, habe im Juni 2007 beim Jugendamt auf die Missstände in Lea-Sophies Familie hingewiesen.
