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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Zweiter Mann soll von HIV geheilt sein

06.03.2019

Seattle Ein zweiter Mann soll nach einer Infektion mit HIV von dem Virus geheilt worden sein. Der Mann aus London habe eine Stammzellenspende erhalten und zeige keine Anzeichen des Virus mehr, wie das Magazin „Nature“ berichtet. Es wäre der zweite derartige bekannte Fall weltweit. Der Patient war zusätzlich zu seiner HIV-Infektion an Krebs erkrankt. Durch die Stammzellspende konnte eine Genmutation des Spenders übertragen werden, mit der dieser natürlich immun gegen HI-Viren war. Etwa ein Prozent der Menschen aus Nordeuropa haben eine derartige Mutation von beiden Elternteilen geerbt.

Bisher gab es nur einen Mann, der von dem Aids auslösenden Virus kuriert worden ist. Timothy Ray Brown ist Amerikaner, wurde in Berlin behandelt und ist zwölf Jahre nach einer Transplantation weiter frei von HIV.

Bei dem Londoner Patienten wurde das Virus 2003 festgestellt. 2012 begann er, Medikamente zur Kontrolle der Infektion einzunehmen. Warum er erst so spät begann, ist unbekannt. Im gleichen Jahr wurde ein Hodgkin-Lymphom bei ihm festgestellt, ein bösartiger Tumor des Lymphsystems. 2016 willigte er in eine Stammzelltransplantation ein. Seine Ärzte gingen davon aus, dass der Patient mit dem richtigen Spender nicht nur den Krebs bekämpfen, sondern auch von HIV geheilt werden könne. Dass ein solcher Spender gefunden werde, sei ein „unwahrscheinlicher Fall“, sagte der federführende Wissenschaftler Ravindra Gupta von dem University College London.

Die Transplantation veränderte das Immunsystem des Patienten und gab die Genmutation mit der HIV-Immunität weiter. Der Patient hörte freiwillig auf, Medikamente zu nehmen, um zu schauen, ob das Virus zurückkommt.

HIV-Patienten müssen in der Regel ihr Leben lang täglich Tabletten nehmen, um das Virus zu unterdrücken. Wenn die Medikamenteneinnahme gestoppt wird, kommt das Virus in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen zurück. Das passierte bei dem Londoner Patienten nicht. Nach 18 Monaten ohne Medikamenteneinnahme zeigt sich keine Spur des Virus.

Der Fall verdeutliche, dass die Heilung des sogenannten Berliner Patienten Timothy Brown kein Zufall gewesen sei und wiederholt werden könne, erklärte Keith Jerome vom Krebsforschungszentrum Fred Hutchinson in Seattle, der nicht an den Behandlungen beteiligt war.

Brown selbst erklärte, nun gern den Londoner Patienten treffen und ermutigen zu wollen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

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