Panama - Nach fast zehn Jahren Bauzeit sind die erweiterten Schleusen des Panama-Kanals für die Schifffahrt zwischen Pazifik und Karibik eingeweiht worden. Ein chinesisches Schiff fuhr als erstes von karibischer Seite aus mit 9000 Containern an Bord durch die neuen Schleusen in den Kanal. Mit 48,2 Metern Breite und 300 Metern Länge ist die „Cosco Shipping Panama“ eines der Schiffe der sogenannten Postpanamax-Klasse, die nach der Erweiterung nun durch den Kanal passen.
„Dies ist die Route, die die Welt vereint“, sagte der panamaische Präsident Juan Carlos Varela, bevor er mit sieben anderen Staatschefs zur offiziellen Einweihungszeremonie zusammenkam.
Die 4,7 Milliarden Euro teure Erweiterung des Panama-Kanals für größere Schiffe hätte eigentlich bereits 2014 fertiggestellt sein sollen. Doch eine Reihe von Problemen beim Bau verzögerten die Jungfernfahrt. Das Konsortium Grupo Unidos por el Canal, das die Bauarbeiten koordiniert hatte, gab den Kanal am Freitag frei. Allerdings sind nach wie vor eine Reihe von Forderungen offen, die sich auf mehr als drei Milliarden Dollar belaufen könnten.
Unter bewölktem Himmel wurde das chinesische Schiff von mehreren Schleppern in die neuen Schleusen bei Agua Clara gezogen. Tausende Schaulustige schwenkten vom Ufer aus panamaische Flaggen. Auf pazifischer Seite versammelten sich Tausende weitere, um das Schiff nach der Durchquerung des Kanals zu empfangen.
Der erweiterte Kanal werde Panama einmal mehr zum logistischen Zentrum Nord- und Südamerikas machen, sagte der Kanal-Verwalter Jorge Luis Quijano. Profitieren könnten davon alle Staaten der Region.
Überschattet wurde die Jubelfeier von der aktuellen Krise der Schifffahrtsbranche. Der Niedergang des Ölpreises, das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China als zweitwichtigster Kunde des Kanals und eine Reihe anderer Faktoren haben den Transport auf dem Wasserweg reduziert und Gewinne schrumpfen lassen. Der Suez-Kanal in Ägypten hatte kürzlich seine Gebühren um bis zu 65 Prozent reduziert, um seine Auslastung halten zu können.
„Es ist wichtig festzuhalten, dass der Kanal keine Nachfrage schafft“, sagte Antonio Dominguez von der marktführenden Containerschiff-Reederei Maersk Line. „„Der Kanal öffnet die Route. Angebot und Nachfrage werden darüber entscheiden, ob der Panama-Kanal wirklich mehr Volumen bringen wird oder nicht. Was sicher ist, ist, dass der derzeitige Kanal an seine Grenzen gestoßen war.“
Seit der Kanal 1999 von den USA an Panama übergeben wurde, erwirtschaftete das mittelamerikanische Land dadurch rund zehn Milliarden Dollar. Der Wasserweg und die damit zusammenhängenden Wirtschaftsaktivitäten machen rund 40 Prozent des panamaischen Bruttoinlandsprodukts aus. Die neuen Postpanamax-Schiffe, die nun durch den Kanal passen, können bis zu drei mal so viel Ladung aufnehmen, wie jene, die ihn bisher passierten.
