Berlin - Sind Deutschlands Schüler überfordert? Zu viele Unterrichtsstunden auf den Stundenplänen? CDU-Politiker im Bundestag schlagen Alarm und fordern eine strengere Beschränkung der Wochenstunden-Zahl. „Schüler lernen bis zu 45 Stunden in der Woche, mehr als viele Erwachsene arbeiten. Ich trete für eine maximale 35-Stunden-Woche ein“, fordert Marcus Weinberg, Chef-Familienpolitiker der Union im Bundestag, einen Kurswechsel in der Schulpolitik. Der CDU-Experte warnt vor Burnout und Stress bei Jugendlichen.

Eine 35-Stunden-Woche für Schüler? Experten sind in dieser Frage unterschiedlicher Meinung. Der Deutsche Lehrerverband reagiert mit Kritik auf den Vorstoß aus dem Bundestag. „Das ist Alarmismus, der hier betrieben wird, verbunden mit einer falschen Vorstellung von Kuschelpädagogik“, sagt Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbandes, am Dienstag gegenüber dieser Zeitung. Man müsse schließlich zwischen Zeitstunden und den 45-minütigen Unterrichtsstunden unterscheiden: „Ich finde, es ist nichts dabei, wenn ein 16-Jähriger in der Woche 32 bis 36 Stunden in der Schule verbringt.“

Laut Kultusministerkonferenz werden von der fünften Klasse bis zum „Turbo-Abitur“ nach acht Jahren im Schnitt 33,1 Wochenstunden erteilt, beziehungsweise 29,4 Wochenstunden von der fünften Klasse bis zum Abitur nach neun Jahren. Dazu kommt die Zeit, die Schüler daheim für Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen benötigen.

Die gefühlte Überforderung – aus Sicht von Bildungsforscher Klaus Hurrelmann die Folge eines erhöhten Leistungsdrucks. „Es ist an der Zeit, die wahre Belastung für Schüler zu erkennen. Ich finde die Idee sympathisch, die Anwesenheitsstunden in der Schule zu begrenzen“, erklärt Hurrelmann. „Die Leistungsanforderungen an die Schüler sind gestiegen“, analysiert der Experte. „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Schüler nicht bis zum Burnout fordern.“

Nordrhein-Westfalens Kultusministerin Sylvia Löhrmann, derzeit Präsidentin der Kultusministerkonferenz, warnt ebenfalls vor einer Überforderung. „Natürlich müssen Schüler nach dem Schultag noch Freizeit haben“, erklärt die Grüne. „Grundsätzlich geht es um die Frage einer guten Schul- und Unterrichtskultur, um Qualität und nicht um Quantität.“