STUTTGART - Die Cyber-Polizisten klicken sich gezielt durchs Netz. Mancher Sexualstraftäter wurde so geschnappt.
Von Tatjana Bojic
STUTTGART - Dieser Job ist nichts für schwache Nerven: Seit Anfang des Jahres klicken sich täglich fünf Beamte des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg durch die düsteren Seiten des Internets. Sie suchen nach möglichen Sexualtätern, Pädophilen und Verbrechern wie Waffenschiebern oder Wirtschaftskriminellen. Bei ihrer „Streife im Internet“ – auch anlassunabhängige Recherche genannt – gehen die Cyber-Polizisten stichprobenartig vor.„Das ist wie bei einer normalen Polizeistreife mit dem Auto im richtigen Leben. Wir sind mal hier und mal dort. Fahren am Bahnhof vorbei oder schauen mal gezielt auf einen Spielplatz“, erklärt der Chef der fünfköpfigen Truppe, Kriminalhauptkommissar Achim Traichel.
Auch im Internet sind die Orte, die die Streife absurft, vielfältig: „Wir interessieren uns für Auktionshäuser ebenso wie für Tauschbörsen, Newsgroups oder Chaträume.“ Einer der Schwerpunkte der virtuellen Polizisten liegt im Bereich der Sexualdelikte und Kinderpornografie. Die Datenflut ist mitunter nur sehr schwer zu verdauen: Nackte Kinder in eindeutiger Position, Bilder geschändeter Kinder oder Sex mit Tieren. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sind sich die Beamten einig.
Bundesweit ermittelte die Polizei im Jahr 2000 in mehr als 2600 Fällen gegen 2000 Tatverdächtige. „Mit unserer Arbeit wollen wir das Entdeckungsrisiko für Straftäter im Internet erhöhen“, betont Traichel. Bei ihrer Recherche gehen sie in der Regel nach einem Muster vor: „Im Internet suchen wir uns meist eine Plattform heraus, auf der sich auch Sexualstraftäter tummeln. Dann recherchieren wir“, erklärt der Spezialist für Kinderpornografie, Rüdiger Kottmann. Er weiß auch, dass „wir nicht das ganze Internet sauber halten können“.
