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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Gericht spricht Fukushima-Manager frei

20.09.2019

Tokio Achteinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima sind drei frühere Topmanager des Kraftwerkbetreibers Tepco in einem Strafprozess freigesprochen worden. Das Bezirksgericht in Tokio befand die früheren Manager am Donnerstag für nicht schuldig. Ihnen war vorgeworfen worden, die Gefahr eines gewaltigen Tsunamis missachtet zu haben und damit Schuld an dem Super-Gau vom März 2011 zu tragen.

160 000 Flüchtlinge

„Es wäre unmöglich, eine Atomanlage zu betreiben, wenn die Betreiber verpflichtet würden, jegliche Möglichkeit eines Tsunamis vorherzusagen und nötige Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte Richter Kenichi Nagafuchi in seiner Urteilsbegründung. Die Staatsanwälte hatten fünf Jahre Haft für jeden der Manager gefordert. Die Kläger dürften das Urteil anfechten.

Im Kraftwerk Fukushima Daiichi im Nordosten Japans war es am 11. März 2011 infolge eines gewaltigen Tsunamis zum Super-Gau gekommen. Als Folge der Kernschmelzen in drei Fukushima-Reaktoren mussten rund 160 000 Anwohner fliehen. Zehntausende können noch immer nicht zurück. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 gewesen.

Es hatte Bewohner der Unglücksprovinz Fukushima mehr als fünf Jahre gekostet, den damaligen Tepco-Chef Tsunehisa Katsumata (79) sowie zwei weitere Verantwortliche vor ein Strafgericht zu bringen. Die japanische Staatsanwaltschaft hatte sich zwei Mal geweigert, die Atommanager anzuklagen. Sie waren schließlich 2016 wegen beruflicher Fahrlässigkeit mit Todesfolge angeklagt worden.

Mehr als 5700 Bürger hatten in dem einzigen Strafrechtsprozess wegen der Atomkatastrophe den drei Hauptverantwortlichen vorgeworfen, ungeachtet auch interner Warnungen vor einem hohen Tsunami nichts unternommen zu haben, um die Reaktoren zum Beispiel durch die Errichtung von hohen Tsunami-Mauern zu schützen. So war Tepco bereits 2008 darüber informiert gewesen, dass ein Tsunami von rund 16 Metern Höhe das Atomkraftwerk heimsuchen könne. Die angeklagten Ex-Manager hatten auf unschuldig plädiert. Der Tsunami von 2011 sei unvorhersehbar gewesen. Zudem wäre es ohnehin zur Katastrophe gekommen, selbst wenn Maßnahmen ergriffen worden wären.

Atomruine für 30 Jahre

Eine unabhängige Kommission war 2012 zu dem Ergebnis gekommen, dass das Unglück vorhersehbar und vermeidbar war. Es handele sich um ein „Desaster von Menschenhand“. Verantwortlich sei das Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Atomlobby.

Mehrere Gerichte hatten eine Mitschuld des Staates und des Betreibers Tepco an der Katastrophe festgestellt und Entschädigungszahlungen verfügt. Staat und Tepco hätten sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht. Das Unternehmen hätte zu Vorkehrungen verpflichtet werden müssen. Doch strafrechtlich wurde niemand zur Verantwortung gezogen – weder beim Staat noch bei Tepco.

Zur Zeit des Super-Gaus in Fukushima hatte die drittgrößte Volkswirtschaft noch 54 Reaktoren am Netz gehabt. Es wird nach Schätzung des Betreiberkonzerns Tepco noch gut 30 Jahre dauern, bis die Atomruine endgültig gesichert und stillgelegt ist.

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