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nordwest-zeitung

Verbrechen Trier steht für vier Minuten still

Birgit Reichert Peter Zschunke

Trier - Exakt zwei Tage nach der tödlichen Amokfahrt in Trier hat die Stadt am Donnerstag mit einer Schweige-minute der Opfer und Angehörigen gedacht. Um 13.46 Uhr hielten zahlreiche Bürger inne, gleichzeitig läuteten die Kirchenglocken in der ganzen Stadt. „Lassen Sie uns zeigen, wie stark und solidarisch die Menschen dieser Stadt sind. Trier steht zusammen“, hatte der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) zuvor an die Bürger appelliert.

Bei der Amokfahrt eines 51-Jährigen durch die Trierer Fußgängerzone waren am Dienstag fünf Menschen getötet worden. 18 weitere Personen wurden verletzt, sechs davon schwer. Der Mann fuhr den Ermittlungen zufolge gezielt einen Zick-Zack-Kurs, um „so viele Menschen wie möglich zu töten oder zumindest zu verletzen“. Der Tatverdächtige sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft.

In Trier kamen der Oberbürgermeister mitsamt Stadtvorstand sowie zahlreichen Mitarbeitern vor dem Rathaus zusammen. An der Porta Nigra, dem zentralen Trauerort, hatten sich nach Stadtangaben rund 500 Menschen versammelt. Die Menschen hielten vier Minuten inne: So lange hatte die Tat des Amokfahrers bis zu seiner Festnahme gedauert. Auch die Kirchenglocken läuteten vier Minuten lang.

Malu Dreyers Wohnort

Auch über Trier hinaus trafen sich Menschen in Rheinland-Pfalz in stillem Gedenken an die Opfer. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die in Trier zu Hause ist, hatte Menschen, Behörden, Betriebe und Schulen im ganzen Land gebeten, sich an der Gedenkminute zu beteiligen.

Für die Trauerarbeit sei es wichtig, „innezuhalten und darüber nachzudenken, was in diesen vier Minuten passiert ist“, sagte Leibe danach. Er stelle „eine echte Trauer und eine echte Betroffenheit“ fest. Zudem gebe es eine große Hilfsbereitschaft. Auf einem Spendenkonto für die Angehörigen sei bereits Geld von 700 Spendern eingegangen, sagte Leibe.

Die Trauer der Menschen in Trier und Umgebung sei groß, sagte die Trierer Bistumssprecherin. Im Trierer Dom sei ein „Gedenkort“ eingerichtet worden: Ein Kondolenzbuch liege aus, das auch rege genutzt werde. Zur Gedenkminute fand sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann zum stillen Gebet im Dom ein.

Sitzung im Landtag

Der Strom der Menschen, die Kerzen an der Porta Nigra anzünden oder Blumen ablegen, reißt nicht ab. Mehrere Tausend seien nach der Tat bereits gekommen, sagte ein Sprecher der Polizei Trier am Donnerstag. Auch an den anderen Orten der Innenstadt, an denen bei der Amokfahrt Menschen getötet wurden, hielten Passanten inne.

Nach der Amokfahrt in Trier werde es am Freitag eine Sondersitzung des Innenausschusses des Landtags geben, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag in Mainz. Außerdem werde die Polizeipräsenz in rheinland-pfälzischen Städten erhöht.

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