TUSCALOOSA - Nach der wohl schlimmsten Tornado-Serie seit 80 Jahren in den USA suchen Helfer in den Trümmerbergen verzweifelt nach Überlebenden. Doch stattdessen finden sie immer mehr Leichen. Die Zahl der Toten im Süden des Landes kletterte auf mehr als 300, ein Ende war am Freitagabend nicht in Sicht. Die Geschichte lehrt uns, dass das Schätzen von Opferzahlen ein schweres Geschäft ist, sagte der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA, W. Craig Fugate.
Präsident Barack Obama sagte den Menschen in der Katastrophenregion schnelle Hilfe zu. Am Freitag besuchte er mit seiner Frau Michelle die Stadt Tuscaloosa (Alabama), die von den Stürmen praktisch ausgelöscht wurde. Der Verlust an Menschenleben zerreiße ihm das Herz, sagte Obama.
Allein in Alabama starben weit mehr als 200 Menschen. Gouverneur Robert Bentley sagte, die Schäden seien derart enorm und so weit verbreitet, dass es wahrscheinlich Tage dauern werde, bis das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen sei. Mehr als 10 000 Menschen sind obdachlos. 1700 weitere wurden verletzt.
Auch in fünf weiteren Bundesstaaten gab es Todesopfer. Fast eine Million Haushalte sind ohne Strom.
Streckenweise fegten die Wirbelstürme mit über 300 Stundenkilometern über das Land. Meteorologen zählten allein in den vergangenen Tagen mehr als 150 Tornados. Damit wird der April 2011 wohl der April mit den meisten Tornados seit Jahrzehnten. Die meisten Wirbelstürme bislang wurden im April 1974 gezählt: 267. Damals starben 310 Menschen. Angesichts der Zahl der Tornados und der Schäden ist die derzeitige Katastrophe die schlimmste seit 1974, sagte Meteorologe Harold Brooks vom Nationalen Institut zur Erforschung schwerer Stürme in Norman (US-Staat Oklahoma).
Das Zentrum der aktuellen Unwetterfront war Tuscaloosa: Ein riesiger Tornado fegte mit einer Breite von 1,5 Kilometern über die Stadt. Es war ein Monster, sagte ein Augenzeuge. Innerhalb von Minuten machte der Wirbelsturm Straßenzüge dem Erdboden gleich. Autos wurden durch die Luft gewirbelt. Es ist ein Chaos, berichtete eine Überlebende.
