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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Tourismus: Letzter Aufstieg auf den Ayers Rock

25.10.2019

Uluru Ein letztes Mal noch. An diesem Freitag, um kurz vor sieben, wird es am Uluru noch einmal sein wie bisher jeden Morgen. Ein letztes Mal noch werden sie warten, Hunderte Touristen aus aller Welt mit Sonnenhüten und Wasserflaschen, die alle hinauf wollen auf den riesigen Brocken aus rotem Fels mitten in der australischen Wüste, der zwischendurch einmal Ayers Rock hieß, bis man ihn wieder so nannte wie es die Ureinwohner, die Aborigines, immer schon taten.

Wie jeden Morgen wird dann Punkt sieben ein Ranger in Uniform erscheinen und bekanntgeben, ob der Aufstieg an diesem Tag erlaubt ist. Oder ob es nicht etwa doch wieder einmal zu heiß sein wird (mehr als 35 Grad) oder zu windig. Wenn dem so ist, dann ist die Kletterei auf den Uluru schon vorbei. Andernfalls sind noch einmal neun Stunden Zeit. Eine Last-Minute-Tour gewissermaßen.

Auf Bitten der hiesigen Aborigines, der Anangu, die hier schon seit mehr als 30 000 Jahren zu Hause sind, ist der Weg nach oben von Samstag an offiziell verboten. Wer sich trotzdem bei einer Kletterei erwischen lässt, muss mindestens 630 australische Dollar (knapp 390 Euro) zahlen. Es kann noch deutlich teurer werden, bis hin zu ein paar Monaten im Gefängnis. Mit so etwas spaßen die Australier nicht.

Dass das Verbot kommt, steht seit Herbst 2017 fest. Die vergangenen Jahre baten die Anangu alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben. Viele hielten sich daran. Zehntausende machten sich dennoch auf den anderthalb Kilometer langen Weg nach oben – oft genug in praller Sonne und oft auch mit etwas schlechtem Gewissen. Der 360-Grad-Rundumblick ins Outback aber war grandios.

Parkchef Sammy Wilson, selbst ein Anangu, begründet das Verbot so: „Der Uluru ist für uns ein extrem wichtiger Ort. Kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark wie Disneyland.“ Wenn es nur das wäre: Trotz aller Schilder und Broschüren lassen Touristen haufenweise ihren Abfall liegen. Mangels Toiletten verrichten manche auf dem Unesco-Weltkulturerbe sogar ihre Notdurft.

In den vergangenen Wochen war am Uluru so viel los wie wahrscheinlich nie zuvor in seiner Existenz. In der Touristensiedlung Yulara – 18 Kilometer weiter, der einzigen halbwegs in der Nähe – sind die Hotels trotz horrender Preise ausgebucht. Ebenso der Campingplatz.

An manchen Tagen sah es am Uluru nun so aus wie auf dem Foto vom Mount Everest, das im Frühjahr um die Welt ging: eine lange Schlange von Menschen, dicht an dicht. Wie eine riesige Ameisenstraße. Alles in allem werden dieses Jahr mehr als 400 000 Besucher erwartet. Zum Vergleich: In der Anfangszeit des Uluru-Tourismus, in den 1950er Jahren, waren es ein paar Hundert.

Das Verbot ist umstritten. Viele finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines zu entsprechen. 700 000 Ureinwohner gibt es noch, die im Vergleich zu den restlichen 24 Millionen Australiern vielfach benachteiligt werden. Andere halten die Klettertour für so etwas wie ein Grundrecht für alle Bewohner des fünften Kontinents. Auch unter den Aborigines sind nicht alle einer Meinung. Wenn man mit Jüngeren spricht, lautet die Antwort häufig: „Ist mir egal.“

Tatsächlich ist der Uluru trotz seiner bescheidenen Höhe gefährlich. Der Fels ist nicht nur steil, sondern auch extrem glatt. Mindestens 37 Menschen kamen ums Leben. Seit man sich an einer 300 Meter langen Kette nach oben hangeln kann und dadurch auch Halt beim Abstieg hat, sind es weniger geworden. Zuletzt starb im Juli 2018 ein 73 Jahre alter Japaner.

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