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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Wichtige Frau zum Schweigen gebracht

16.04.2018

Valletta Auf dem Fleck Erde, auf dem das Auto ausbrannte, wachsen weder Blumen noch Gras. Über den Spitzen der Weizenähren auf dem frühlingshaften Acker prangt „Justice“ auf einem Banner. Gerechtigkeit für Daphne Caruana Galizia, die maltesische Investigativjournalistin, die am 16. Oktober 2017 mit einer Bombe unter ihrem Autositz getötet wurde. Viele bezweifeln, dass je ans Licht kommt, wer die Bloggerin zum Schweigen bringen wollte.

Für Corinne Vella, die Schwester der ermordeten Journalistin, ist das Attentat noch immer nicht real. In der Lobby eines Hotels mahnt sie, leise zu sprechen. Auf der Insel mit rund 450 000 Einwohnern ist es mit der Anonymität so eine Sache. Die Familie ist vorsichtig mit Äußerungen, doch ihre Kritik an den maltesischen Behörden und der Regierung ist längst bekannt.

Die 52-Jährige sagt, es könne nicht getan sein mit einer möglichen Verurteilung der drei mutmaßlichen Bombenleger, die vor Gericht stehen. „Gerechtigkeit für Daphne bedeutet, ihre Mörder und diejenigen, die sie beauftragt haben, zu verurteilen. Es bedeutet aber auch, diejenigen vor Gericht zu bringen, die an den Verbrechen beteiligt sind, die sie aufgedeckt hat.“ Caruana Galizia berichtete unter anderem über Korruption und Geldwäsche. International erregte sie Aufsehen mit den Vorwürfen, dass die Frau von Regierungschef Joseph Muscat eine in den „Panama Papers“ erwähnte Firma besessen und eine Million Euro Schwarzgeld aus Aserbaidschan erhalten haben soll.

„She was silenced because she mattered“, „Sie wurde zum Schweigen gebracht, weil sie wichtig war“. Immer wieder fällt dieser Satz in Verbindung mit Caruana Galizia. Er steht auch an einem improvisierten Mahnmal mitten in Valletta gegenüber vom Justizpalast. Acht Mal wurden Caruana Galizias Foto und die Blumen schon entfernt.

Der anfänglich große Protest gegen Korruption und eine Unterwanderung des politischen Systems durch Kriminelle ist mittlerweile abgeebbt. Solange der eigene Geldbeutel nicht berührt werde, halte man still, meint Dujardin. Und Malta boomt. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, Touristenrekorde werden verzeichnet. Doch zuletzt meldeten auch EU-Parlamentarier Zweifel an der Einhaltung europäischer Grundwerte an. Die Rechtsstaatlichkeit sei in dem kleinsten EU-Land in Gefahr.

„Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos“, war die letzte Überschrift, die Caruana Galizia schrieb. Wenige Minuten später war sie tot. Die Explosion der Autobombe war so gewaltig, dass Sohn Matthew sie zu Hause hörte.

„Es gibt viele Menschen auf Malta, die finden, dass Daphne noch schlimmeres verdient hätte. Und sie sagen es ohne Zurückhaltung“, sagt Manuel Delia. Der 41-jährige Blogger nennt Caruana Galizia seine Mentorin. „Von ihr habe ich gelernt, was ,just do it’ bedeutet.“ Mach es einfach, fürchte dich nicht.

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