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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Vergewaltigungslüge: Freispruch für Vater

30.10.2013

Memmingen Sieben Jahre unschuldig im Gefängnis: Ein 62 Jahre alter Vater ist am Dienstag freigesprochen worden, nachdem seine Tochter den Vorwurf der Vergewaltigung zurückgezogen hat. In dem Wiederaufnahmeverfahren widerrief die heute 33-Jährige ihre Aussage, die vor 17 Jahren zur Verurteilung des Mannes aus Sonthofen im Oberallgäu geführt hatte. Das Landgericht Memmingen hob das damalige Urteil des Landgerichts Kempten auf und verfügte, den 62-Jährigen für die Haftzeit zu entschädigen.

„Ihr Leben, die verlorenen Jahre, können wir Ihnen nicht zurückgeben, wir geben Ihnen Ihre Ehre zurück“, sagte die Vorsitzende Richterin. Zuvor hatte sie der Tochter Respekt für ihren Mut ausgesprochen. „Wir zollen Ihnen Respekt, dass Sie diesen Weg gegangen sind.“ Strafrechtliche Konsequenzen hat die Frau nicht zu erwarten, der Vorgang ist verjährt.

Im Juli 1996 war der Familienvater aufgrund der von seiner Tochter erfundenen Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung verurteilt worden. Man hielt ihn für schuldig, das Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren dreimal zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe stets bestritten.

„Es war kein faires Verfahren“, schilderte der 62-Jährige den damaligen Prozessverlauf. Er habe sich von Anfang an vorverurteilt gefühlt. Die siebenjährige Haftstrafe hat der Mann voll verbüßt. Nach seiner Haftentlassung stand er noch unter einer fünfjährigen Führungsaufsicht.

Am Dienstag zeigte sich der Angeklagte erleichtert über das Urteil. In seinem Schlusswort hatte er noch einmal unter Tränen beteuert, unschuldig zu sein. Er hoffe, dass es möglich sein wird, zu seiner Tochter und ihrer Familie ein normales Verhältnis aufzubauen. „Ich bin dankbar, dass sie den Mut gefasst hat, noch zur Wahrheit zu finden.“

Unter Tränen beschrieb die 33-Jährige, wie es zu der Falschaussage kam: Ihre Eltern hatten dauernd gestritten. Als sich die Eltern trennten, habe ihre Mutter sie gegen den Vater aufgehetzt. Sie habe ihr glaubhaft gemacht, dass er für die Krebserkrankung der Mutter mitverantwortlich war. „Ich dachte, ich müsste mich an meinem blöden Vater rächen.“

Nach Auffassung des Gerichts entstanden die schwerwiegenden Anschuldigungen der damals 15-Jährigen aus Angst, nach dem bevorstehenden Tod ihrer Mutter bei ihrem Vater leben zu müssen. Mit Hilfe des Terminkalenders der Mutter konstruierte die Tochter eine Geschichte, mit der sie Ermittler, Gutachter und später auch das Gericht überzeugen konnte.

Als ihr Vater zu der langen Haftstrafe verurteilt wurde, habe sie extreme Gewissensbisse gehabt. „Aber ich hatte nicht den Mut, zur Wahrheit zurückzukehren.“ In den Folgejahren sei der Druck immer größer geworden. Erst als ihre eigene Tochter vor fünf Jahren auf die Welt kam, habe sie sich von der Last befreien wollen.

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