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NWZonline.de Nachrichten Panorama

VERFAHREN: Versalzener Pudding kostet Angelinas Leben

17.03.2006

KARLSRUHE Die Frau habe von der Gefahr für das Kind nichts geahnt, lautete die Erklärung. Die Richter müssen immer mehr Fälle mit Kindern als Opfer verhandeln.

Von Wolfgang Janisch KARLSRUHE - Richter sind den Umgang mit den dunklen Seiten des Lebens gewöhnt, doch was in den letzten Wochen auf den Tisch der Strafsenate des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe kam, konnte auch einem hartgesottenen Juristen ans Herz gehen: Zum Beispiel ein verzweifelter Vater, der sein schwer behindertes Baby erstickte. Und diesmal ein vierjähriges Mädchen, das einen versalzenen Pudding essen musste und daran starb.

Mit den Kategorien des Strafgesetzbuchs lassen sich diese menschlichen Tragödien oft nur schwer erfassen. Das zeigt etwa der am Donnerstag in Karlsruhe entschiedene Fall. Mit kindlichem Eifer hatte die vierjährige Angelina zwei Esslöffel Salz – das sie offenbar für Zucker hielt – in einen Puddingbecher gerührt.

Ihre Stiefmutter, eine junge Frau Anfang 20, reagierte genervt, sie hatte gerade ihr eigenes Baby gefüttert und wollte, so hat es das Landgericht Frankenthal festgestellt, die harmlose Panne für eine drastische Erziehungsmaßnahme nutzen: Angelina musste den widerwärtig schmeckenden Pudding auslöffeln. Danach lebte Angelina noch anderthalb Tage, eine sofortige Notfallbehandlung war vergebens. Was die junge Frau nicht gewusst hatte: 0,5 bis 1 Gramm Kochsalz pro Kilogramm Körpergewicht wirken tödlich. Angelina wog nur 15 Kilo.

Der 4. BGH-Strafsenat erkannte auf gefährliche Körperverletzung und bestätigte eine 14-monatige Bewährungsstrafe. Senatsvorsitzende Ingeborg Tepperwien räumte ein, dass vielen die Reaktion der Justiz als zu milde erscheinen möge. Die Richterin machte deutlich, dass sich ein Gericht hier nicht allein an den schrecklichen Folgen der Tat für das kleine Mädchen orientieren kann. Denn dass gut 30 Gramm Kochsalz bei einem Kind tödlich wirken – das hätte wohl kaum jemand gewusst. Tepperwien brachte die gefühlte Widersprüchlichkeit des Urteils auf den Punkt: „Für den Tod des Kindes kann die Angeklagte, obwohl sie ihn verursacht hat, nicht verantwortlich gemacht werden.“

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