VIERNHEIM - Stundenlanges, zermürbendes Warten in der beschaulichen Wohngegend im südhessischen Viernheim: Schwer bewaffnete Polizisten belagern am Mittwoch ein vierstöckiges Gebäude, in dem sich ein 44 Jahre alter Bombenleger verschanzt hat. Die Polizei setzt auf Zeit, hält Kontakt mit dem Mann, greift ihn aber nicht an.

Familienvater verletzt

Der Täter hatte am frühen Mittwochmorgen mehrere Explosionen verursacht und die Menschen in der Theodor-Heuss-Allee gegen sechs Uhr jäh aus dem Schlaf gerissen. Er zündete mehrere Sprengsätze an einem Einfamilienhaus, flüchtete dann und versteckte sich in seiner etwa 100 Meter entfernten Wohnung in einem im Übrigen leerstehenden Haus. Dort saß er auch noch am Abend. Man stelle sich auf langwierige Verhandlungen ein, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Der 32 Jahre alte Bewohner des attackierten Einfamilienhauses wurde verletzt, als er eine Scheibe einschlug, um seine Familie zu retten. Seine 31 Jahre alte Frau sowie die sieben und neun Jahre alten Kinder erlitten einen schweren Schock.

„Wir haben einen großen Knall gehört. Dann folgten kurz hintereinander einige Schüsse“, berichteten Nachbarn. „Es hat geknallt wie aus einem Maschinengewehr“, sagte Inge Jöst (62).

Was der Täter mit Gasmaske und Tarnanzug im Schilde führt, war zunächst völlig unklar. Ob er mit den Opfern verwandt ist oder Mietschulden hat – wie Anwohner im Viertel erzählen – sagte die Polizei nicht. Sie schloss lediglich einen politischen Hintergrund aus. Es soll einen direkten Zusammenhang zu einer Explosion im etwa acht Kilometer entfernten Weinheim in Baden-Württemberg geben, wo nur eine knappe Stunde zuvor eine kleinere Granate an einem Haus explodiert war. Verletzt wurde dort niemand, die Bewohner sind im Urlaub. Der Täter soll die Polizei selbst über die Explosion und eine zerborstene Scheibe informiert haben.

Viele Spekulationen

Die Polizei vermutete, dass der Mann, der sich in dem Wohn- und Geschäftshaus verschanzte, noch weitere Sprengsätze bei sich hat. Sie räumte 19 umliegende Häuser und sperrte das vierstöckige Gebäude mit den kleinen Läden im Untergeschoss weiträumig ab. „Wir gehen äußerst vorsichtig vor“, sagte Polizeisprecher Ferdinand Derigs am Abend.

In der Nachbarschaft des Tatorts wurde viel erzählt und spekuliert. Der Mann sei schon einmal vor etwa zehn Jahren aufgefallen. Ein Nachbar schilderte ihn als „echten Militärfan“. Die Polizei sagte zu all dem zunächst nichts. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, betonte Derigs.

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