Villingendorf - Der Sechsjährige stirbt am Abend seiner Einschulung. Am Donnerstagmorgen noch, wenige Stunden zuvor, bricht er mit Schultüte und gemeinsam mit seiner Mutter und deren Partner zur Grundschule in Villingendorf auf, wie eine Nachbarin berichtet. Den ersten offiziellen Schultag am Freitag erlebt der Junge nicht mehr.

Der Junge, der neue Partner der Mutter und eine weitere Frau sterben bei einem Familiendrama in einer ruhigen Wohngegend. Der Täter – vermutlich der Vater des Kindes – eröffnet unvermittelt das Feuer. Der Kroate ist seitdem auf der Flucht. Nachbarn erzählen, es habe zuvor eine Art Party in dem Haus gegeben, wo die Familie in einer Einliegerwohnung lebte. Möglicherweise, um die Einschulung zu feiern.

Schmucke Einfamilienhäuser, gepflegte Blumenrabatten und Willkommensschilder prägen das Gebiet, in dem die Familie seit dem Frühjahr wohnte. Am späten Donnerstagabend verwandelt sich das Idyll in einen Albtraum: Die Nachbarin von gegenüber erzählt, die Mutter habe auf der Flucht hilferufend bei einer anderen Nachbarin geklingelt und sei von dieser aufgenommen worden. Vermutlich wird so ihr Leben gerettet. Sie befindet sich laut Polizei in psychotherapeutischer Betreuung. Ein weiterer Nachbar erzählt von seinem Untermieter, der ihn alarmiert habe, weil er nicht nur Hilferufe, sondern auch Geschrei eines Mannes gehört habe. Was folgt, ist eine aufwendige Suche nach dem mutmaßlichen Täter. Polizisten durchkämmen wieder und wieder die Gärten, suchen per Helikopter mit der Wärmebildkamera nach dem Flüchtigen. Auch bei Tageslicht setzen die Beamten ihre Suche fort.

Es gibt Hinweise aus der Bevölkerung, in einem nahen Waldgebiet seien im Morgengrauen Schüsse gefallen. Am Freitagmittag sind mehr als 100 Kräfte an der Suche beteiligt. Im Garten des Hauses sind Experten in weißen Overalls auf Spurensuche. Am Freitagabend wurde die Suche in dem Waldgebiet ergebnislos abgeschlossen. „Wir haben dort niemanden gefunden“, sagte Polizeisprecher Thomas Kalmbach. In Deutschland sowie international werde weiter nach dem Mann gefahndet. Ob es an diesem Samstag neue Anhaltspunkte für eine Wiederaufnahme der Suche in der Umgebung des Dorfes gibt, sei noch nicht absehbar.

Eine weitere Nachbarin der Opferfamilie sagte: „Hier kann man ohne Bedenken nachts spazieren gehen.“ Deshalb habe sie die Geräusche zur Tatzeit auch nicht richtig eingeordnet: Der Wind habe wohl Mülleimer umfallen lassen. Dass es sich um Schüsse gehandelt habe, sei ihr erst später klar geworden. Sie kämpft mit den Tränen: „Mein Neffe ist gestern auch eingeschult worden.“