Völklingen/Dortmund - Nachdem die Staatsanwaltschaft Saarbrücken Ermittlungen wegen Mordverdachts gegen einen Krankenpfleger aufgenommen hat, fordern Patientenschützer weitreichende Konsequenzen. „Für alle Einrichtungen braucht es eine unabhängige und externe Anlaufstelle, bei der anonyme Hinweisgeber verdächtige Vorkommnisse melden können“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht zu Samstag. Auch eine „lückenlose, standardisierte und elektronische Kontrolle der Medikamentenausgabe“ sei notwendig sowie verbindliche amtsärztliche Leichenschauen. „Es wird Zeit, dass in allen Ländern endlich Schwerpunktstaatsanwaltschaften und zentrale Ermittlungsgruppen für Delikte in Pflege und Medizin eingerichtet werden.“
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Es gelte, die Schwächsten in der Gesellschaft zu schützen. „Nicht die Pflege macht Menschen zu Mördern, doch nirgendwo ist Morden so einfach wie in der Pflege.“ An Pflegeeinrichtungen und Kliniken appellierte Brysch, eine offene Fehlerkultur zu entwickeln. „Um mögliche Täter abzuschrecken, muss in Kliniken und Heimen eine Kultur des Hinschauens gelebt werden.“ Dabei seien alle gefragt. Auch Bund und Länder müssten endlich Konsequenzen ziehen, um Einzeltäter in Zukunft schneller zu stoppen.
Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hatte am Freitag von Ermittlungen gegen einen 27-jährigen Mann wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs berichtet. Die Taten sollen sich zwischen März 2015 und März 2016 im Saarland ereignet haben. In dieser Zeit sei der Pfleger in der SHG-Klinik in Völklingen beschäftigt gewesen. Er soll Patienten nicht verordnete Notfallmedikamente gegeben haben, um diese in Lebensgefahr zu bringen. Anschließend habe er versucht, sie zu reanimieren.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat sich der Mann zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zuerst hatte der Saarländische Rundfunk über den Fall berichtet. Der 27-Jährige war nach Auskunft der Staatsanwalt zuvor in Kliniken in Wiesbaden und Frankfurt beschäftigt.
Die zuständigen Ermittlungsbehörden in Hessen würden über die neuen Erkenntnisse informiert. Es gebe vorerst keine konkreten Hinweise auf ähnliche Taten in Wiesbaden und Frankfurt - das dortige Wirken des Beschuldigten müsse aber geprüft werden.
Der Fall weckt schlimme Erinnerungen an die Mordserie des Krankenpflegers Niels Högel. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn am 6. Juni wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft. Högel war bereits zuvor zweimal verurteilt worden, 2015 unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft. Er hatte Patienten mit Medikamenten in lebensgefährliche Situationen gebracht, um sie dann reanimieren zu können. In zahlreichen Fällen gelang das nicht mehr.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Saarbrücken begannen die Ermittlungen gegen den heute 27 Jahre alten Pfleger bereits im Juni 2016. Damals sei er in den frühen Morgenstunden auf eine Intensivstation des Krankenhauses in Saarburg im benachbarten Rheinland-Pfalz gekommen und habe sich als Notarzt ausgegeben. Dem Personal habe er gesagt, er müsse an einem Patienten eine besondere Untersuchung vornehmen. Dabei habe er eine Notarztjacke angehabt und einen Defibrillator sowie einen Monitor dabei gehabt. Zu der Behandlung kam es aber nicht, Polizisten nahmen den Mann vorläufig fest.
