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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Warum Brot für Enten gefährlich ist

17.10.2016

Leiferde /Hannover /Hamburg Ein bisschen mit der Tüte rascheln, schon kommen die Enten. Vermeintlich hungrig stürzen sie sich auf das ins Wasser geworfene Brot. Manche fressen den Menschen sogar aus der Hand. Diese Szene spielt sich täglich an zahlreichen deutschen Gewässern ab. Überall freuen sich Kinder und Erwachsene, Wasservögel zu füttern. Die meisten glauben, dass sie den Tieren etwas Gutes tun. Doch das Gegenteil ist der Fall.

„Enten brauchen nicht gefüttert werden“, sagt die Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums Leiferde im niedersächsischen Landkreis Gifhorn, Bärbel Rogoschik. „Biologisch ist es blödsinnig.“ Weißbrot sei für Enten nicht gut. „Normalerweise gründeln sie am Gewässergrund und nehmen dort das Futter auf - Wasserpflanzen und kleine Wassertiere. Das reicht“, erklärt die Biologin. Auch in der nun kommenden kalten Jahreszeit gebe es für wilde Wasservögel genug Futter.

Und so schon mal gar nicht ...

Ähnlich sieht das auch der Landesbund für Vogelschutz in Bayern. „Man muss sie nicht füttern“, sagt Sprecher Markus Erlwein. Der Naturschutzverband wolle aber kein Verbot aussprechen. „Wir wissen, dass die Leute das gerne machen“, sagt er. Wer unbedingt füttern wolle, solle ein paar Regeln beachten. Demnach ist es enorm wichtig, die Tiere nur an Land und in kleinen Mengen zu füttern. Sonst würden die Gewässer zu stark verschmutzt. Und: „Vögel sind keine Mülltonne.“ Vergammeltes Brot könne die Tiere krank machen.

In trockenem Brot sehen Biologen wie Rogoschik eine besondere Gefahr, denn es quillt auf, wenn die Tiere etwas trinken. „Es gab schon bei Schwänen Probleme, die viel trockenes Weißbrot aufgenommen haben und dann trinken. Dann quillt es im Hals auf.“ Auch Erlwein betont: „Am besten kein Brot füttern. Es kann in den Mägen aufquellen.“ Große Mengen bergen weitere Risiken. „Ein krankes Tier frisst davon, andere kommen dazu und schon verbreiten sich Keime“, erklärt Rogoschik.

Auch für die Gewässer kann übermäßiges Füttern fatale Folgen haben. „Was oben in die Enten rein geht, geht unten wieder raus“, sagt die Biologin. Mancherorts werden Gewässer durch den vielen Kot so belastet, dass sie aus dem ökologischen Gleichgewicht geraten. Damit das nicht passiert, stellen einige Städte Schilder auf - wie am größten Gewässer der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Demnach sollen die Enten am Maschsee nicht gefüttert werden.

„Hintergrund dieser Bitte ist die Tatsache, dass die Population der Enten in engem Verhältnis zum Futterangebot steht“, teilt Alexis Demos aus dem Büro des Oberbürgermeisters mit. Gebe es zu viele Enten, könnten Kot und Futterreste zu einem Sauerstoffmangel im Gewässer führen. In der Folge vermehrten sich bestimmte Bakterien, die im schlimmsten Fall tödliche Folgen für die Enten haben. „Die Stadt leistet mit den Hinweisen, die Enten nicht zu füttern, einen aktiven Beitrag zum Gewässer- und Tierschutz“, sagt er.

Viele Menschen lassen sich aber durch solche Schilder nicht vom Füttern abhalten. Einen Grund dafür sieht die Psychologin Andrea Beetz, die an den Universitäten in Rostock und Wien über die Mensch-Tier-Beziehung forscht, in einem angeborenen Fürsorgetrieb. „Wenn man Fürsorgeverhalten zeigt, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet“, erklärt sie. „Es bewirkt, dass man sich gut fühlt, dass man sich entspannt.“ Beetz zufolge gehen Wissenschaftler davon aus, dass es diese Hormonausschüttung auch beim Füttern von Tieren gibt. Zudem sei Füttern die einfachste Möglichkeit, mit Tieren in Kontakt zu kommen.

„Viele denken, dass sie den Enten etwas Gutes tun“, sagt die Soziologin Julia Gutjahr von der Universität Hamburg. Für manche Menschen sei das Füttern zudem ein sozialer Kontakt. „Sie bekommen das Gefühl, dass sie gebraucht werden.“ Ihren Studien zufolge tun Menschen oft Dinge, die Tieren nicht gut tun. „Sie wollen den Tieren eine Freude bereiten. Die Folgen werden ausgeblendet“, sagt die Wissenschaftlerin, die als Mitglied in einer Forschungsgruppe zum Mensch-Tier-Verhältnis arbeitet. Das könne man etwa bei übergewichtigen Haustieren beobachten.

Umweltschützer fordern die Bürger auf, andere Wege zu finden, um die Natur zu erleben. Rogoschik zufolge könnten Eltern ihre Kinder auffordern, Enten genau zu beobachten. „Wie viele Enten gibt es denn? Was ist ein Männchen, was ist ein Weibchen?“ Sie könnten ihren Kindern so viel zeigen und erklären - ohne Brottüte.

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