WASHINGTON - Die Experten sind trotz einiger Zweifel begeistert. Ein ESA-Satellit wird seine Sensoren auf die Fundstelle richten.

Von Frank Brandmaier

WASHINGTON - Forscher sind sich so gut wie sicher: Auf dem Mars fließt auch heute noch gelegentlich Wasser. Die NASA-Sonde „Mars Global Surveyor“ hat jedenfalls Bilder vom Roten Planeten gefunkt, die diesen Schluss nahe legen, berichten Wissenschaftler in einem Fachjournal. Die Expertengemeinde ist trotz des einen oder anderen Zweifels begeistert und rätselt: „Deutet das auf eine Umgebung für Leben hin?“, wie der NASA-Chefwissenschaftler für die Untersuchung des Roten Planeten, Michael Meyer, bei der Vorstellung der Beobachtungen in Washington fragte.

Wassereis und Wasserdampf sind vom Mars bekannt. Als eine der Bedingungen für mögliches Leben gilt jedoch flüssiges Wasser.

Die Marssonde hatte im Abstand von sieben Jahren Vergleichsbilder mehrerer Regionen fotografiert. Auf den neueren Aufnahmen sind in zwei abschüssigen, jeweils mehrere hundert Meter langen Erdrinnen frische Ablagerungen zu sehen, die nach Angaben der US-Weltraumbehörde vermutlich durch Wasserflüsse entstanden. „Sie haben fingerartige Verzweigungen am unteren Ende, die sich leicht um kleine Objekte herumwinden“, erklärte US-Forscher Michael Malin. Die Beobachtungen seien der stärkste Beleg, dass gelegentlich Wasser auf der Marsoberfläche fließe, sagte Meyer.

Hinweise auf fließendes Wasser habe es bislang nur aus Milliarden Jahre alten Formationen gegeben, betonte der Forscher Ken Edgett aus Malins Team. „Heute reden wir von flüssigem Wasser, das jetzt da ist.“

„Die Hinweise sind sehr dramatisch. Sie sind aber in erster Linie als Hinweise dafür zu sehen, dass man neuere Messdaten nehmen sollte“, sagte Michael Khan, Missionsanalytiker beim Kontrollzentrum (ESOC) der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt. Der ESA-Satellit „Mars-Express“ solle nun seine Sensoren auf die Fundstellen richten.

Für den „Mars Global Surveyor“ indes zählten die spektakulären Fotos zu den letzten Aufgaben für die Wissenschaft. Seit 1997 kreist die Sonde um den Roten Planeten. Im November verlor die NASA den Kontakt.