Washington - Die gute Nachricht: Verglichen mit Hurrikan „Katrina“, der 2005 New Orleans und Teile der Küste des Golfs von Mexiko mit Stärke fünf unter Wasser setzte und mindestens 1245 Menschen das Leben kostete, war Hurrikan „Florence“ gnädig. Bisher verzeichneten die Behörden lediglich 17 Todesfälle, die im direkten Zusammenhang mit dem Wirbelsturm gesehen werden. Die schlechte Nachricht: Große Teile beider Bundesstaaten stehen unter Wasser – und die Fluten dürften in den kommenden Tagen noch steigen. Denn während Flüsse immer neue Rekordmarken erreichen und zahlreiche Städte zu Evakuierungen zwingen, zeigen Dämme und andere künstliche Wasserblockaden angesichts des starken Dauerregens Ermüdungszeichen. Noch immer befindet sich „Florence“ als tropischer Sturm über dem betroffenen Gebiet an Amerikas südlicher Ostküste.
Allein am Montag sollte mehr als ein halber Meter Regen fallen, was die Einsatzkräfte an das Limit des Machbaren drücken wird. In North Carolina gab es am Wochenende mehr als 900 Wasserrettungs-Einsätze zur Hilfe von Menschen, die sich auf Haus- oder Autodächer geflüchtet hatten. Roy Cooper, der Gouverneur von North Carolina, spricht von einer „steigenden Lebensgefahr“ durch plötzlich auftretende Fluten. In der Stadt New Bern beschädigte „Florence“ mehr als 4000 Häuser und 300 kommerzielle Bauten. 1200 Bürger der Stadt befinden sich derzeit in Notaufnahme-Einrichtungen. Tote gibt es in New Bern bisher nicht zu beklagen, doch die bekannten Fälle aus anderen Gegenden sind erschütternd genug. Ein drei Monate altes Baby, das in einem Fertighaus durch einen umstürzenden Baum getötet wird. Ein Mann, der ertrinkt, als sein Fahrzeug durch Fluten auf den Kopf gestellt wird.
Eine Rückkehr der Zehntausenden in Schutzräumen verharrenden oder in andere Bundesstaaten geflüchteten Menschen wird derzeit nirgendwo als sicher angesehen. Mancherorts – wie in der Stadt Kinston – musste ein Notaufnahmezentrum evakuiert werden.
