WESTERLAND - Erleichterung auf Sylt: Der Feuerteufel ist offenbar gefasst. Ein Junge brachte die Ermittler auf die Spur des 46-Jährigen. Nach Einschätzung der Polizei ist der Mann für die komplette Brandserie verantwortlich. „Als ich die gute Nachricht weitergab, waren alle erleichtert“, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, Petra Reiber, am Sonntag.
Über den mutmaßlichen Täter und sein Motiv hüllte sich die Polizei am Wochenende in Schweigen. Sie will an diesem Montag Details bekanntgeben. Gegen den Mann wurde Haftbefehl beantragt. Nach Medieninformationen soll es sich um einen Taxifahrer handeln. Angeblich arbeitet er schon seit längerem auf der Insel. Er soll in jenem Haus wohnen, in dem am 11. August die Serie begann.
17 Brände gehen nach Überzeugung der Ermittler auf das Konto des Verdächtigen. Dazu gehören Anschläge auf ein Appartementhaus, ein Alten-Pflegeheim, ein Hotel und die Nordseeklinik. Sieben Menschen wurden verletzt.
Dass er mit seinem Zündeln nicht zum Mörder wurde, verdankte der mutmaßliche Brandstifter einem Schüler aus dem Rheinland. Andreas Reuß macht zurzeit mit seinen Eltern Karin und Stephan Urlaub auf der Insel und ist der kleine Held von Sylt. Der 13-Jährige war in der Nacht zu Sonnabend noch wach und hockte vor dem Fernseher, als er hörte, wie draußen die metallene Gartenpforte ins Schloss fiel. Gleichzeitig erschnupperte er Rauch. Erste Flammen züngelten aus dem Überstand des reetgedeckten Hauses.
Daheim in Alfter verbringt der Junge seine Freizeit bei der Jugendfeuerwehr. Dort übt er jeden zweiten Mittwoch, wie man sich bei Feuer verhält. Ohne Zeit zu verlieren rannte er los, um seine Eltern und die anderen Hausbewohner zu wecken. Alle konnten sich in Sicherheit bringen.
„Mit seiner Geistesgegenwart hat er sich, seinen Eltern und den anderen Bewohnern das Leben gerettet“, lobte Nordfrieslands Kreisbrandmeister Christian Albertsen. Letztlich konnte durch die Aktion des Jungen auch noch der mutmaßliche Brandstifter gestoppt werden, bevor er erneut zuschlagen konnte. Als bei der Feuerwehr um 2.30 Uhr der Alarm einging, war der 46-Jährige nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Er versuchte noch wegzulaufen, aber die Beamten waren schneller. Der Mann gab auf und ließ sich widerstandslos festnehmen.
