Berlin - Im Berliner Tierpark ist wahrscheinlich eines der beiden Eisbärenbabys gestorben. „Seit Dienstag scheint nur noch ein Jungtier auf dem Monitor der Wurfbox zu sehen zu sein“, teilte eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin mit. Es sei sehr wahrscheinlich, „dass nur noch ein Eisbärchen überlebt hat“. Die Sterblichkeit bei den Jungtieren liegt in den ersten 10 bis 14 Tagen bei 50 Prozent. Eisbärin Tonja hatte die Zwillinge am vergangenen Donnerstag zur Welt gebracht.
„Ich habe mir inzwischen fast das gesamte Bildmaterial seit Dienstagmittag angesehen und kann nun nahezu sicher sagen, dass seit knapp zwei Tagen nur noch ein Jungtier auf den Bildern zu sehen ist“, berichtete Säugetier-Kurator Florian Sicks.
Seit der Geburt der namenlosen zweieiigen Zwillinge kümmert sich die sechsjährige Mutter Tonja ungestört in ihrer Box um ihren ersten Wurf. Eine Überwachungskamera liefert unscharfe Bilder. Bis Dienstag waren die zwei fast völlig unbehaarten Jungen mit einer geschätzten Größe von bis zu 35 Zentimetern zu sehen. Noch am Mittwochnachmittag hatte Kurator Sicks erklärt, dass die Überlebenschancen der beiden Eisbären mit jedem Tag stiegen.
Um die Eisbärenfamilie nicht zu stören, lassen die Pfleger Wasser in eine Tränke laufen. Füttern und damit auch Ausmisten seien nicht nötig, da Eisbärinnen dank großer Fettreserven über den Winter kommen, erläuterten Sicks und Tierpfleger Detlef Balkow. Tonja hatte kräftig zugelegt - auf bis zu 300 Kilogramm, bevor sie sich in die Box zurückzog und schließlich die nur etwa 700 Gramm leichten Jungen gebar.
Die um ein vielfaches schwerere Mutter kann ihren Jungen zur Gefahr werden, wenn sie gestört wird. Darauf hat der Tierpark von Beginn an hingewiesen und einen Wachschutz organisiert. Wenn ein Junges stirbt, fressen Eisbärenmütter es in der Regel auf, erläutert Sicks.
Der Berliner Tierpark liegt im Osten der einst geteilten deutschen Hauptstadt. Im Zoologischen Garten im Westen Berlins hatte vor knapp einem Jahrzehnt der Eisbär Knut weltweit Schlagzeilen gemacht. Er war nach seiner Geburt Ende 2006 von seiner Mutter verstoßen und von einem Pfleger mit der Flasche aufgezogen worden. Er starb 2011.
