WIEN - Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erwägt wegen der möglichen polizeilichen Ermittlungspannen weiterhin eine Klage gegen den Staat Österreich. „Das ist nach wie vor ein Thema“, sagte die 20-Jährige am Donnerstag in einem Interview.

Kampusch, deren Flucht aus achtjähriger Gefangenschaft sich in der kommenden Woche zum zweiten Mal jährt, war Anfang März 1998 von Wolfgang Priklopil auf dem Weg zur Schule entführt und in ein Verlies gesperrt worden. Am 23. August 2006 gelang ihr die Flucht; der Kidnapper beging anschließend Suizid. Kampusch betonte, in der Frage einer Schadenersatzforderung berate sie sich mit ihren Anwälten, „und man wird sehen, was dann herauskommt“.

Durch Aussagen des Ex- Chefs der österreichischen Kriminalpolizei, Herwig Haidinger, war Anfang dieses Jahres bekanntgeworden, dass die Polizei in den ersten Wochen nach der Kampusch-Entführung schwere Ermittlungsfehler gemacht hatte. Unter anderem wurden Spuren nicht verfolgt, die direkt zu dem Entführer wiesen.

Die Berichte über Ermittlungsfehler seien ihr „schon sehr nahe gegangen, zumal ich mir ja auch die ganze Zeit erhofft hatte in den ersten Wochen, dass die Polizei kommen würde“, sagte Kampusch.

Insgesamt sei für sie der zweite Jahrestag ihrer Flucht ein „normales“ Ereignis. „Da ich fast jeden Tag einschneidende Erlebnisse mitmache, ist es halt ein einschneidendes Erlebnis von vielen.“