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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Corona-Krise: Deutlich weniger Paare lassen sich trauen

22.09.2020

Wiesbaden Die Corona-Pandemie hat viele Heiratspläne vorerst platzen lassen. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden bundesweit 139 900 Ehen geschlossen, 29 200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. Mitte März hatten Bund und Länder strenge Auflagen verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Viele Standesämter schlossen, andere schränkten ihre Dienste ein.

Die schnapsZahlen

Nur einmal wurden seit der Wiedervereinigung in einem ersten Halbjahr noch weniger Ehen geschlossen: 2007, als viele Paare den Juli und damit das Hochzeitsdatum 7.7.2007 ansteuerten. Damals heirateten im ersten Halbjahr nur 138 800 Paare.

Im laufenden Jahr gab es mit dem 02.02.2020 und dem 20.02.2020 gleich zwei attraktive Termine, die auch reichlich genutzt wurden – was ein weiteres Absinken verhinderte, wie das Bundesamt berichtete. Im Februar 2020 heirateten 21 500 Paare, fast 7300 mehr als im Vorjahresmonat.

Die Bundesländer

Der Effekt war in den Bundesländern unterschiedlich stark: In Niedersachsen und Bremen haben deutlich weniger Paare geheiratet als im Vorjahreszeitraum. Demnach wurden in den Monaten Januar bis Juni in Niedersachsen 14 244 Ehen geschlossen – im Vorjahr waren es 16 928. In Bremen war die Entwicklung ähnlich. Dort ging die Zahl der Eheschließungen von 1276 auf 1019 zurück. In Hamburg wurden 2162 Ehen geschlossen, 571 weniger als 2019. Anders sieht es im Osten aus: In Brandenburg (plus 84 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 82 Prozent) und Thüringen (plus 80 Prozent) sagten deutlich mehr Paare einander „Ja“.

Der Trend

Erkenntnisse über die Auswirkung der Pandemie ließen sich erst langfristig gewinnen, erklärten die Statistiker. Denn langsam steigende Zahlen vom Mai und Juni deuteten darauf hin, dass viele Standesamt-Termine lediglich verschoben und nicht abgesagt wurden. Der Stand der Vorjahre war aber nicht erreicht.

„Es kann sein, dass einiges wieder aufgeholt wird“, sagt Carola Hofbauer-Raup, Standesbeamtin in Schleswig und Vorsitzende des Landesverbands der Standesbeamtinnen und Standesbeamten Schleswig-Holstein. Vielerorts seien nur wenige Termine wirklich abgesagt worden. „Manche Paare wollten den gleichen Termin ein Jahr später“, sagt Hofbauer-Raup.

Die Hygiene-Regeln

Die Bedingungen zum Heiraten seien vor Ort noch sehr unterschiedlich, berichtete die Standesbeamtin mit Blick auf die bundesweite Situation. Es gälten Abstandsregeln und Höchstgrenzen für die Zahl der Gäste. Anfangs hätten die Paare nur allein kommen dürfen – was nicht überall für Ärger gesorgt habe: „Manche waren ganz froh, dass sie die Zeit für sich haben konnten.“

Was das große Feiern angeht, sei die Verunsicherung groß, sagt die Sprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, Svenja Schirk. Viele Paare hätten ihr Fest auf nächstes Jahr verschoben. Die Corona-Regeln könnten jeden Tag geändert werden, dazu seien sie vor Ort sehr unterschiedlich.

Ohne Büffet und Tanz

Büffets seien nicht möglich, es gälten Obergrenzen bei der Zahl der Gäste, Abstandsregeln müssten eingehalten werden, teils herrsche Tanzverbot. Täglich erreichten den Bundesverband viele Anfragen dazu. „Ausgelassen feiern und einen unbeschwerten Tag zu haben, geht zurzeit nicht.“ Sie hoffe, dass sich die Lage nächstes Jahr bessere.

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