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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Am „Wal-Gefängnis“ scheitert selbst Putin

14.03.2019

Wladiwostok Platz zum Schwimmen haben die rund 100 Wale im Osten Russlands kaum. Ihre Becken sind viel zu klein. „Es sind bereits mindestens drei Belugas und ein Orca wegen der schlechten Bedingungen gestorben“, sagt Delfinarienexperte David Pfender von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC der Deutschen Presse-Agentur.

„Wal-Gefängnis“ nennen Tierschützer die Anlage nahe Wladiwostok, immer mehr Menschen nicht nur in Russland nehmen Anteil am Schicksal der seit Herbst eingesperrten Wale. Selbst Präsident Wladimir Putin hat sich eingeschaltet. Doch auch der mächtigste Mann des Landes hat bisher nicht dafür sorgen können, dass die Tiere wieder in Freiheit leben.

Eine rasche Lösung deutet sich nicht an. Davon gehen mittlerweile auch die Gegner der Anlage in einer Bucht am Japanischen Meer aus. Wie es weitergeht im Wal-Drama, darüber beraten derzeit Experten. Der Direktor des russischen Forschungsinstituts für Fischerei und Meereskunde, Kirill Kolontschin, sagte am Dienstag der Agentur Ria Nowosti zufolge, die Wale sollten noch drei bis vier Monate in der Anlage bleiben. Erst dann sei ein Transport möglich.

Tierschützer fordern schon seit Monaten, dass die Wale freigelassen werden. Das Eis im Winter habe ihnen zu schaffen gemacht. Auch das Institut für Ozeanologie in Moskau kommt zu dem Schluss, dass sich der Gesundheitszustand der Wale verschlechtert hat.

Umweltorganisationen wie Greenpeace befürchten, die eingesperrten Orcas und Belugas könnten an chinesische Aquarien verkauft werden. Nach Angaben der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC wurden die Becken von vier Firmen angemietet. Die Anlage ist inzwischen auch ein Fall für die russische Staatsanwaltschaft.

Tierschützer sammeln seit Wochen Unterschriften. Mittlerweile sind es so viele, dass sich das russische Parlament mit dem Thema befassen muss. Prominente wie die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Pamela Anderson schlossen sich dem Protest an. Auch Putin forderte, das Leiden der Tiere müsse beendet werden. Er engagiert sich für Tierschutz – unter seiner Schirmherrschaft stehen nach Angaben auf seiner Internetseite auch die Belugas.

Tierschützer hatten auf eine baldige Schließung gehofft, nachdem der Kremlchef eine schnelle Lösung gefordert hatte. Doch Umweltminister Dmitri Kobylkin dämpfte die Erwartungen: Die Tiere in der kalten Jahreszeit freizulassen, sei ein Risiko. „Es ist wichtig, dass die Tiere nicht leiden oder sterben.“ Nun werde ein detaillierter Plan ausgearbeitet.

Die Wale müssten so schnell wie möglich freikommen, fordert Thomas Henningsen von der Umweltorganisation Greenpeace. „Sie werden immer länger von ihren ursprünglichen Familien und Gruppen sozial isoliert und verlernen noch dazu, selbstständig Nahrung zu suchen und zu jagen.“

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